Mittwoch, 6. Juni 2018

In 80 Minuten um die Welt

Anfangs des 19. Jahrhunderts war die Welt noch in Ordnung bzw. geruhsam. War doch bis zu dieser Zeit das Reisen nicht so hektisch wie heute – dafür dauerte die Reise unendlich lange und war je nach Budget sehr beschwerlich. 1873 läutete Jules Verne mit seinem Roman „Le Tour du Monde en 80 jours“ die Tempobolzerei ein. Der reiche englische Gentleman Phileas Fogg hatte mit anderen Clubmitgliedern um 20’000 Pfund Sterling gewettet, dass es ihm gelingt in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Heute belächelt man die nostalgischen Phantasien eines Jules Verne nur noch und hat ganz andere Visionen. Aber auch die Durchschnittsgeschwindigkeit von 320km/h eines Shinkansen beeindruckt heute nur noch wenige. Anderseits sind Durchschnittsgeschwindigkeiten von unter 80 km/h auf den Autobahnen keine Seltenheit mehr. Da nützt auch eine Volksinitiative, die eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h auf Autobahnen fordert nicht viel.
Diese Ausgangslage ruft nun allerlei Fantasten auf den Plan. Allen voran der Tesla-Unternehmer Elon Musk. Mit dem Projekt Hyperloop möchte er eine Schnellbahn zwischen New York und Washington bauen – für die er anscheinend schon eine Genehmigung vom Staat erhalten hat. Die Fahrzeuge fahren in zwei getrennten und geschlossenen Röhren. Durch ein Teilvakuum und den im Fahrzeug erzeugten Luftrückstoss sollen Geschwindigkeiten bis zu 1125 km/h erreicht werden. Die Stromversorgung soll über Solarzellen auf den Röhren erfolgen. Eine erste Versuchsbahn in der Mojave-Wüste nahe Las Vegas wurde im Mai 2017 erstellt.
Auch in der Schweiz sucht man nach Lösung des Verkehrsproblems. So war eine Magnetschienenbahn unter dem Namen Swissmetro mit unterirdischen Röhren von Genf bis St. Gallen und einem Ast nach Basel vorgesehen. Im Unterschied zu Elon Musks Hyperloop wäre die Swissmetro durch elektrische Linearmotoren angetrieben worden. All den Projekten ist gemeinsam, dass sie den Finanzbedarf völlig unterschätzen, den immensen Energiebedarf mit nicht nachvollziehbaren Vergleichsrechnungen kleinreden und die Sicherheitsprobleme bei Störungen und Massnahmen für eine Evakuation der Passagiere fast gänzlich ignorieren.
Die „Lösung“ des Verkehrsproblems wäre aber denkbar einfach. Man müsste sich nur an den Film Stark Trek aus den 70iger Jahren erinnern. Darin verwendete man eine Teleportations-Maschine (Beamer) für das Transportieren der Besatzung vom Raumschiff auf einen Planeten. Auf der Grundlage der Quantenphysik werden die Moleküle in digitale Informationen aufgelöst, diese Informationen werden dann mittels individuellen Wellenfunktionen unter Zuhilfenahme des Heisenberg-Kompensators an den Zielort gesendet. Interessanterweise wurde bereits in der ersten Star-Trek-Serie „Raumschiff Enterprise“ die Teleportation eingeführt um Kosten für die Filmproduktion zu sparen. Es wusste nämlich niemand, wie man ein riesiges Raumschiff auf einem fremden Planeten landen lässt.

Dienstag, 1. Mai 2018

Rauchverbot im Tunnel

Nun steht die Grillsaison wieder vor der Türe. Da mögen sich einige Männer, Frauen
dürfen ja selten am Grill stehen, überlegen mit welchen extravaganten Varianten sie sich
bei den Gästen in Szene setzen können. Letztes Jahr haben sich die Grossverteiler mit
wenig geistreichen Werbespots mit Vorschlägen versucht zu überbieten. Mit dem
Fernsehwerbespot „Tsch, Tsch“ hat Coop dann den Vogel abgeschossen.
Um diese Vorlage zu toppen, braucht es schon spinnigere Ideen, besonders was die
Location betrifft. So muss man sich nicht wundern, wenn man dieses Jahr zu einem
Grillplausch auf die Autobahn eingeladen wird. Doch dabei sollten entsprechende
Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigt werden. Für eine kleine Gesellschaft wäre eine
Ausstellbucht auf der Offenen Strecke vom Platz her ausreichend. Es empfiehlt sich aber
für die Anfahrt Fahrgemeinschaften zu bilden, weil sonst der Platz wegen den geparkten
Autos nicht mehr für das Aufstellen des Grills, der Festbänke, der Sonnenschirme und des
Tischtennistisches reicht. Für die Sicherheit wird empfohlen 100 Meter vor der
Ausstellbucht das neue Warnsignal „Achtung Grillstelle“ aufzustellen.


Da das Sommerwetter in der Schweiz meistens die reinste Katastrophe ist, müssen sich
vorsichtige Party- und Openairveranstalter rüsten. Für sie seien darum die Ausstellbuchten
in den Tunnels empfohlen. Diese befinden sich alle 1000 Meter. Anfänglich wurden diese
nur von Holländischen Touristen für ihr Picknick genutzt. Diese Picknickplätze wurden in
den letzten Jahren immer beliebter. Die Tunnelanlagen wurden deshalb so umgebaut,
dass dort nun auch der Betrieb eines Grills möglich ist. Wer dort seinen Grill anwerfen will,
sollte sich aber vorher beim zuständigen Unterhaltswerkhof anmelden, damit dieser die
Tunnellüftung auf den Betriebsmodus „Grill“ einstellen kann. Anstellen von Grillschürzen
mit den doofen Sprüchen und Zeichnungen müssen Grillmeister aber orange Grillschürzen
nach Sicherheitsklasse 2 tragen.
Trotz dieser Erfolgsgeschichte überlegt sich das Bundesamt für Strassen ASTRA ähnlich
wie die SBB bei den Bahnhöfen ein allgemeines Rauchverbot auf Nationalstrassen
einzuführen.


P.S. Dass ein Tunnel auch mehrere Grills gleichzeitig verkraften kann, hat sich am Tag der
Offenen Tür des Tunnels Eyholz auf der Umfahrung Visp gezeigt. Der Betriebsmodus
„Grill“ hat dabei perfekt funktioniert.

Freitag, 30. März 2018

Infokampagne für Autofahrer

Schweizweit sind 110 grosse Anzeigetafeln, sogenannte Wechseltextanzeigen, jeweils vor
wichtigen Verzweigungen platziert. Sie weisen die Verkehrsteilnehmenden mit Hilfe von
Texten, Signalen und Piktogrammen frühzeitig auf Ereignisse im Verkehrsablauf hin.
Kürzlich wurde die neue ASTRA Richtlinie Wechseltextanzeige publiziert. Hauptsächliche
Änderungen sind die Möglichkeit Verkehrssicherheitshinweise aufschalten zu können.
Dazu werden auf den Anzeigetafeln Texte wie z.b. „Rechts fahren, links überholen“ oder
„Bei Unfall Rettungsgasse bilden“ oder „Müde? Mach mal Pause“ eingeblendet. Durch
eine Indiskretion wurden nun Texte bekannt, die bei den Verantwortlichen zu leicht roten
Köpfen führten und die verkehrspsychologische Überprüfung nicht bestanden. Hier eine
kleine Auswahl der nicht bewilligten Texten:

„Wenn alle auf der Überholspur fahren, muss es ja Stau geben.“

„Wenn ihr Idioten bei Glatteis 120km/h fährt, seid ihr selber schuld!“

„Es ist wieder mal Stau, nur weil jeder von euch alleine im Karren sitzen muss.“

„Ja sicher, wir machen die Baustellen nur um dich zu ärgern - Idiot.“

„Gell, es ist schön alleine auf der Mittelspur?“

„Hast du gewusst das Telefonieren mit dem Handy am Steuer dumm macht.“

„Wenn sie ihren Leopard auf dem Rücksitz nicht anschnallen, haben sie ihn dann einmal
im Genick.“

„Wieviel Zeit sparst du mit dem Drängeln? Und was machst du mit der gesparten Zeit,
hä?“

„Wenn du heute Abend im Suff unsere schöne Autobahn demolierst, werden wir richtig
böse.“

„Die meisten Unfälle passieren auf der Überholspur aber wegen dem darfst du nicht
einfach auf dem Pannenstreifen fahren.“

„Wisst ihr eigentlich, dass wir wegen euch immer in der Nacht arbeiten müssen, um die
Strassen zu reparieren.“

„Wenn du deinen Hamburger noch weiter am Steuer frisst, wirst du einmal an Erstickung
sterben.“

„Wenn du diesen Text im Rückspiegel siehst, bist du ein Geisterfahrer.“

Sonntag, 4. März 2018

Soll doch der Teufel die Strasse bauen!


Das Projektgeschäft ist fast wie ein Leiterlispiel. Feld 3: du hast Glück dein Projekt wurde bewilligt = nochmals würfeln, Feld 15: so ein Pech, beim Projektverfasser hat der Projektleiter gekündigt, jetzt muss ein neuer Mitarbeiter eingeführt werden und dein Projekt verzögert sich = 10 Felder zurück, Feld 25: wegen Einsprachen verzögert sich ein anderes Projekt, dadurch steht jetzt Geld für dein Projekt zur Verfügung = springe auf Feld 35. Feld 41: Bei einem Unternehmer ist das Fabrikdach eingestürzt und einige Geräte wurden zerstört und müssen nun neu produziert werden = du musst 3 Runden aussetzen. Der Erste, der am Ziel ist, darf bauen.
Ein Projekt ist je nach Umfang während seiner Entstehung mit unzähligen Problemen verbunden: Arbeitsvergaben, Bewilligungsverfahren, Hochspannungsleitungen, Gasleitungen, Grundwasserschutz, Lärmschutz, schwierige Bodenverhältnisse, Naturgefahren, archäologische Funde, Stellungnahmen, Einsprachen, Beschwerden, Auflagen, fehlende finanzielle Mittel. In unseren Breitengraden kann man dafür Streiks, Materialknappheit, Stromausfälle, Unwetter, Blockaden durch Demonstrationen glücklicherweise ausschliessen.
Bei all den Problemen könnte man verstehen, dass die Projektverantwortlichen in der Verzweiflung auf unkonventionelle Ideen kommen und sich an den Bau der Teufelsbrücke erinnern. Nach einer Sage hatten die Urner im 13. Jahrhundert immer wieder versucht, eine Brücke über die wilde Reuss zu schlagen, doch diese stürzte dauernd ein. Die Urner rätselten, wie die Schöllenenschlucht zu überwinden sei. Schliesslich rief ein Landamman ganz verzweifelt aus: "Dann soll doch der Teufel eine Brücke bauen!" Kaum ausgesprochen, stand er schon vor der Urner Bevölkerung. Der Teufel versprach ihnen einen Pakt: Er werde die Brücke bauen, die fortan halten werde, aber die erste Seele, die die neue Brücke überschreitet, soll ihm gehören. Nachdem eine neue starke Brücke über der Schlucht stand, wussten die Urner nicht, wen sie hinüberschicken sollten, bis ein schlauer Bauer eine geniale Idee hatte. Er band seinen Geissbock los und jagte den Ziegenbock auf die andere Seite. Rasend vor Wut, ergriff der Teufel einen Felsblock und drohte damit, sein Werk zu zerstören. Darauf kam ein altes Weiblein des Wegs und ritzte ein Kreuz in den Stein. Als der Teufel dies sah, verfehlte er sein Ziel, und der Fels landete in der Nähe von Göschenen.


N.B Beim Bau des Gotthardstrassentunnels in den 70iger Jahren musste der Teufelsstein verschoben werden.

Freitag, 17. November 2017

Das qualvolle Leben einer Verkehrsampel

Verkehrsampeln auf Nationalstrassen haben eigentlich kein schönes Leben. Die meiste Zeit hängen sie nutzlos herum. Die Ampeln mit ihren schön leuchtenden Farben kennen wir meist nur von Verkehrskreuzungen. Auf der Autobahn sind diese bei den Autofahrern nicht so richtig im Bewusstsein. Die wenigsten wissen nämlich, dass vor jedem Tunnelportal auf der Seite oder über der Fahrbahn Ampeln montiert sind. Aber wehe, wenn sie einmal ausnahmsweise leuchten, dann sind alle überrascht und das Chaos beginnt, insbesondere wenn die Ampel rot zeigt. „Ja muss ich jetzt anhalten?“ „Warum ist jetzt wieder rot?“
Das Resultat davon ist, dass der Befolgungsgrad nicht berauschend ist, ja meistens fahren mindestens noch zehn Fahrzeuge bei dunkelrot in den Tunnel hinein. Das geht solang bis der erste gesetzestreue Fahrer anhält. Der Unterhaltsdienst kennt dieses „Phänomen“ nur zur Genüge. Um den Rotampeln Nachdruck zu verschaffen, stellen die Werkhofmitarbeiter einen Lastwagen quer über die Fahrbahn. Dieses „Signal“ befolgen dann wirklich alle, obwohl es da auch unverbesserliche Automobilisten gibt, die mit den Werkhofmitarbeitern verhandeln wollen, weil sie es eilig haben.
Dass dieses Leben nicht alle Tunnelampeln glücklich macht, kann man gut verstehen. Da haben es die Artgenossen im Gotthardtunnel schon viel besser. Diese leuchten den ganzen Tag entweder grün oder rot, je nachdem, ob sie in Fahrtrichtung oder Gegenfahrtrichtung montiert sind. Oder noch besser geht es den Kolleginnen, die während des Stossverkehrs bei einer Einfahrtsrampe im Zweiminutentakt zwischen Grün und Rot abwechseln können.
In einem Fall ging es einer Ampel aber ganz schlecht. Nach regulären Unterhaltsarbeiten wollte man die Tunnelröhre früh morgens wieder frei geben, aber die verflixte Ampel liess sich einfach nicht auf Grün schalten. Die Mitarbeiter in der Einsatzzentrale versuchten mit allen Kräften, die uralte Verkehrssteuerung zum Umschalten zu bewegen, aber es nützte nichts. Der ortsanwesende Polizist, der die Sperrung auflösen sollte, war schon regelrecht schweissgebadet. Da kein Elektriker vor Ort war, um diese Ampel auszuschalten, war er auf sich alleine gestellt. Mit den Nerven am Ende zückte er die Dienstpistole und schoss die rote Ampel dunkel. Ende gut – fast alles gut.

Montag, 23. Oktober 2017

Atombetriebene Autos

Im September 2015 wurde bekannt, dass ein paar findige Ingenieure der Automobilindustrie die Software der Dieselantriebe so manipulierten, dass sie im Labor auf dem Prüfstand die gesetzlichen Abgaswerte erreichten. In den nächsten Monaten entwickelte sich diese Manipulation nach gezielten Dokumentenfälschungen und Absprachen unter den Automobilherstellern zu einem regelrechten Dieselskandal, verzichtete VW doch auf aufwändige Stickoxid-Reinigung mittels Harnstoffeinspritzung und baute Abschaltvorrichtungen für Abgasprüfsituationen ein. Durch Vertuschungen, weltweiten Rückrufen, drohenden Fahrverboten in deutschen Innenstädten, Zulassungsverbote, Schadenersatzforderungen verschiedener Investoren, Vergleichszahlungen in den USA und Verhaftungen von Mitarbeitenden dreht sich das Skandalkarussell immer weiter, und ein Ende ist nicht abzusehen.
Ganz unbemerkt hatte im Schatten des Dieselskandals ein kleines Forschungsinstitut in Würenlingen einen neuartigen Autoantrieb entwickelt, der ohne zu tanken läuft. Das französisch-schweizerische Institut mit den Namen „Centre l’énergie nucléaire pour Westbag» steht mit ihrem Produkt kurz vor der Marktreife. Wir haben mit dem bekannten Forschungsleiter Prof. Dr. h.c Marcus Irontor ein Gespräch über die Alternative zum Dieselmotor geführt.

Redaktion: Herr Professor, Sie haben an Ihrem Institut einen neuartigen Autoantrieb entwickelt.

Prof. Dr. h.c Irontor: Eigentlich handelt es sich nicht um einen neuen Antrieb, sondern um einen ganz neuen Ansatz für eine Batterie. Im Gegensatz zur Lithiumbatterie bei Elektroautos ist sie viel leichter und muss nie aufgeladen werden. Das enthaltene Strontium 90Sr erzeugt ohne eine Kernspaltung Wärme und treibt damit einen Alkalimetallthermisch-elektrischer Wandler an. Diese erzeugte elektrische Energie treibt dann den Elektromotor des Autos an.

Redaktion: Aber die Entsorgung stellt doch das grosse Problem dar?

Prof. Dr. h.c Irontor: Durch das Titan-Grafit-Hanf-Kevelaer-Gehäuse ist die Radionnuklidbatterie einerseits absolut zerstörungsfrei. Selbst bei einer grossen Kollision nimmt die Batterie keinen Schaden. Andererseits kann die Batterie einfach in einer normalen Deponie entsorgt werden. Das Strontium gelangt nie in die Umwelt.

Redaktion: Aber die Roststoffbeschaffung ist doch sicher ein Problem?

Prof. Dr. h.c Irontor: Das Strontium stammt von verbrauchten Brennstäben aus Kernkraftwerken. Und weil alle Kraftwerkbetreiber ihre alten Brennstäbe schnellstens los werden wollen, wird der Rohstoff sehr günstig bleiben. Selbst wenn alle Kernkraftwerke unmittelbar abgestellt würden, bestünde noch eine Rohstoffreserve von 235 Jahren.

Redaktion. Herr Professor wir danken Ihnen für das Gespräch und hoffen, dass Sie bald einen Investor finden werden. Es gibt ja weltweit genügend Milliardäre, die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen.

Sonntag, 24. September 2017

Rastplätze: Ein Geheimtipp für Gourmets

Das ASTRA ist zurzeit daran, die Voraussetzungen für das Erstellen von Schnellladenstationen für Elektroautos auf Rastplätzen der Nationalstrassen zu prüfen. Neben den rechtlichen und technischen Anforderungen hat sich herausgestellt, dass auch die Angebote für die wartenden Autofahrer während der 20 bis 30 Minuten dauernden Ladung geprüft werden müssen. Für diese Abklärungen hat das ASTRA extra einen Experten auf die Piste geschickt.
Selten sind Rastplätze ein idyllischer Ort, auch für Naturbeobachtungen eignen sie sich eher schlecht. Ein Gang zur Toilette ist sicher keine schlechte Idee. Aber nach dem dritten Benutzen der Chromstahltoilette, die ja wenig Charme versprüht, wird es auch langsam langweilig. Da bleibt noch der Kinderspielplatz, der aber aus Platzgründen nicht auf jedem Rastplatz vorhanden ist, und es auch nicht jedermanns Sache ist, 30 Minuten auf einer Kinderschaukel oder einer Rutschbahn zu verbringen. Schon eher käme da die 20 Meter lange Sprinterbahn in Frage. Aber eigentlich ist nicht nur die Batterie am Ende ihrer Kräfte, auch der Fahrer könnte eine Stärkung vertragen. Da rückt dann schon eher der auf einigen Rastplätzen vorhandene mobile Verpflegungskiosk oder der Grillstand in den Fokus. Nur beim Anblick dieser aus den 60er Jahren stammenden, halb verfallenen nach Frittieroel und fettigen Würsten riechenden Grillbuden vergeht einem regelrecht der Appetit.
Wenn man dann das “Glück” hat, einen solchen Stand vorzufinden, entscheidet man sich nach langem Zögern für einen Hamburger. Das Fleisch ist mehr oder weniger ok, das Brot jedoch ist so kalt, dass es vor ein paar Minuten noch im Kühlschrank gelegen haben muss. Wenn es nicht der Hamburger ist, dann die Bratwurst, die schon vier Stunden auf dem Grill lag und endlich verkauft werden konnte. Wie Vegetarier unschwer erkennen können, sei ihnen dringend von einem Besuch abgeraten. Denn 99.9% der Verpflegungsstände haben noch nie ein Salatblatt gesehen. Als löbliche Ausnahme sei der Rastplatz Apfelruh erwähnt, wo der Kartoffelsalat mit Gurken, Tomaten und Blattsalat garniert war. Gut, den Kartoffelsalat gab es nur als Beilage zu einem Cervelat oder zur Bratwurst. Dafür wurde das Ganze immerhin auf einem Porzellanteller serviert. Das gibt fünf Sterne! Aber eben, es kann von keinem Elektroautobesitzer verlangt werden, zum Laden der Batterien extra nach Landquart auf den Rastplatz Apfelruh zu fahren.
N.B. Rastplätze sind nicht zu verwechseln mit einer Raststätte, die über eine Tankstelle, ein Restaurant und einen grossen Parkplatz verfügen und in der Verantwortung der Kantone liegen. Auf Rastplätzen, die in der Verantwortung des Bundes liegen, sind meist nur eine Toilette, Sitzgelegenheiten und Parkplätze zu finden – und vielleicht noch ein mobiler “Gourmet-Tempel” … .