Satirische Verehrsmeldungen von Nationalstrassen, Autobahnen und sonstigen Strassen
Montag, 7. Oktober 2024
Vegane Autobahnbrücke
„Über sieben Brücken musst du gehen“ ist ein Lied, dass in den 80er Jahren durch Peter Maffay eine grosse Bekanntheit erfuhr. Weniger bekannt ist, dass das Lied von der DDR Rockband Karat stammt. Da sich auf den Schweizer Nationalstrassen 4548 Brücken befinden, müsste man das Lied 649 mal singen. Das Lied handelt von einer unglücklichen Beziehung. Im Gegensatz zu Deutschland kann man in der Schweiz nicht von einer unglücklichen Liebe zwischen dem Bundesamt für Strassen und den Betonbrücken sprechen. Teilweise werden sie wegen ihrer Architektur sogar vergöttert. In Deutschland aber, sind die Brücken derart marode, dass sie vielfach nur noch abgebrochen werden können. Ausser sie stürzen nicht schon vorher von alleine ein, wie das bei der Carolabrücke in Dresden geschehen ist. Die Folge davon sind jahrelange Unterbrüche von Autobahnabschnitten und lange Umwegfahrten. Den Unterhalt hat man jahrelang wegen der Finanzierung der Deutschen Wiedervereinigung Ost-West vernachlässigt. Bezeichnenderweise handelt das Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“ von einer Ost-West-Liebesbeziehung.
Eine heute nicht unbedeutende Kleinigkeit trübt aber die Liebe zu Betonbrücken etwas. Die Herstellung von Beton ist nämlich mit einem immensen CO2-Ausstoss verbunden. Der dazu notwendige Zement muss in einem Ofen mit 1400 Grad erhitzt werden. Dabei werden auch Autoreifen und Klärschlamm verbrannt, eine sehr unschöne Sache. Da Brücken die höchsten statischen Anforderungen haben, ist es nicht leicht CO2 armen Beton einzusetzen. Doch immerhin sind die Brücken vegan! Ja klar, es werden keine tierischen Produkte darin verbaut. So steht es zumindest auf der Stütze einer Autobahnbrücke. Ob aber der Graffiti-Schriftzug „Go Vegan“ sich auf die Autobahnbrücke bezieht, muss doch stark bezweifelt werden... Doch eine Ausnahme gibt es: die Teufelsbrücke. Bei dieser Brücke in der Schöllenenschlucht musste ein Geissbock als Lohn für die Hilfe des Teufels sein Leben lassen. Würde man auch die Scope-2-Emissionen berücksichtigen, müsste man fragen, welches Pausenbrot die Arbeiter beim Bau von Brücken gegessen haben. Wenn sie in ein saftiges Schinken-Sandwich gebissen haben, wäre korrekterweise die CO2-Emission bei der Schweinefleischproduktion zu berücksichtigen. Und in Einzelfällen ist vielleicht auch eine Leiche von einem Gewaltverbrechen einbetoniert. Diese Fälle sind aber statistisch nicht erfasst und können somit unberücksichtigt bleiben.
Die Herkunft des Schriftzuges „Go Vegan“ könnte aus folgendem weiteren Liedtext von Peter Maffay abgeleitet werden: „Sieben mal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein, ooh.“ Der Graffiti-Sprayer war sicher ein bekiffter Demonstrant, der uns sagen wollte: „Hee, baut die Brücken endlich aus Gras“.
Sonntag, 21. Juli 2024
Autobahn verschwunden!
Am Freitagabend, 21. Juni 2024, sind 200 Meter der vierspurigen Autobahn A13 zwischen
Lostallo und Mesocco verschwunden. Sie wurde weder Opfer eines Diebstahles noch als
Protestaktion von Klimaaktivisten entfernt. Könnte es jedoch die Rache der Moesa sein,
weil man ihr beim Autobahnbau in den 70-er Jahren das Flussbett gestohlen hat?
Nein, die Moesa führte die 20-fache Menge an Wasser als üblich und hat die Strasse
einfach weggeschwemmt. Einzig der Elektrokabelrohrblock auf der vom Fluss
abgewandten Seite überstand die Katastrophe. So waren weder die Glasfaserverbindung
der beiden Werkhöfe Thusis und Camorino noch weitere Transitverbindungen
unterbrochen. Nur mit etwas Glück waren keine Autos auf dem betroffenen Abschnitt, als
die Strasse verschwand. Als Mahnmal sah man in den Medienbildern über mehrere Tage
hinweg nur noch die Leitplanken, welche wie eine Wäscheleine über den Fluss hingen.
Abgesehen von den heroischen Taten des Bundesamtes für Strassen ASTRA, welches es
innert 14 Tagen geschafft hat, wenigstens zwei Spuren wieder zu öffnen, stellt sich eine
ganz andere Frage: Wie hätten sich autonom fahrende Fahrzeuge bei diesem Ereignis
verhalten? Also nur vorneweg: die weissen Randlinien waren ebenfalls verschwunden. Die
Spurführung der Wagen verschiedener Hersteller basiert genau auf diesen Leitlinien.
Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass diese hochintelligenten Autos
einfach stehen bleiben. Nur zur Erinnerung: Automatisiertes Fahren Level 5 heisst
Autonomes Fahren! Keine Person im Auto muss sich mit der Fahraufgabe befassen. Das
Fahrzeug übernimmt sämtliche Fahrfunktionen.
Also nehmen wir mal an, ein Kind sitzt auf dem Schulweg alleine in einem Level 5 Auto
und fährt von Lostallo nach Mesocco. Und nun? Soll das Kind die Fahraufgabe
übernehmen, weil das dumme Auto mit dieser Ausnahmesituation nicht zurechtkommt?
Die Fantasten von der Automobilindustrie und den IT-Firmen wollen ja in einem Level 5
keine Steuerrad mehr einbauen. Kreative Ideen sind also gefragt. Automatisierte Fahrzeug
mit eingebauten Wassersensoren, hätten die Situation sauber erfasst und das Auto in ein
Amphibienfahrzeug umgewandelt. Ob das angesichts der Wasserfluten (700 m3/h anstelle
von 35 m3/h) eine schlaue Idee wäre, mag angesichts der in den Medien gezeigten
Bildern, mit planlos herumschwimmenden Autos zu bezweifeln sein…
Schon eher müsste man sich an die Umwandlung in eine Flugauto überlegen. Nur die auf
Flugtaxis spezialisierten Unternehmen tun sich schwer mit serientauglichen Lösungen,
und haben deshalb immer wieder finanzielle Probleme. Zudem sind ihre Flugtaxis
superleicht, die auf Schweizer Strassen fahrenden Autos sind aber superschwer. Wie das
also technisch gehen soll, erschliesst sich einem nicht auf Anhieb.
Irgendwie fühlt man sich bei der ganzen Diskussion um das Automatisierte Fahren in die
Hochkonjunktur der Sience Fiction Filme der 70-er und 80-er Jahren zurückversetzt. Was
aus den verschiedenen Hirngespinsten geblieben ist, wissen wir ja.
Träumt weiter!
Samstag, 23. März 2024
Tunnelzentrale mit Seeanstoss
Die Älteren werden die Walenseeautobahn noch als Qualenseeautobahn kennen. Während
der Wintersaison kam es regelmässig zu massiven Staus, weil die Strecke nur zweispurig
war und durch die Dörfer führte. Erst mit dem Bau des Kerenzerbergtunnels beruhigte
sich die Situation. Aber dafür wurde es auch in der ehemaligen Raststätte, zwischen
Murg und Weesen, die für Poulet im Chörbli berühmt war, ruhig - zu ruhig. In der Hochblüte
fand man beim Mövenpick-Restaurant fast keinen Parkplatz. So kennen viele das Restaurant
direkt am Walensee nur vom Vorbeifahren. Über das, sich mittlerweile im Privatbesitz
befindende, langsam verfallende Betongebäude, haben sich schon Viele gewundert,
was da eigentlich abgeht. Doch das ist eine andere brisante Geschichte, um die es
hier nicht geht. Sondern es geht um ein unscheinbares Betriebsgebäude ganz in der
Nähe.
Als in den Jahren 2004-2010 alle Elektrotechnischen Anlagen ersetzt werden mussten,
wurden in diesem Zuge sechs neue Elektrozentralen für die Tunnels zwischen Murg und
Weesen gebaut. Unmittelbar nach der Raststätte Walensee war die Elektrozentrale Standenhorn
direkt im See geplant. Also nicht eigentlich im See, sondern mit einer Pfahlbauweise
auf einer Landzunge. Es wäre die erste Tunnelzentrale mit einem Seeanstoss geworden.
Als das Amt für Umweltschutz des Kantons Glarus von diesem Projekt erfuhr, tobte
es. Das sei eine Verschandelung der Landschaft und eine Zerstörung der Ufervegetation.
Die beteiligten Ingenieure hegten durchaus Sympathie für den Natur- und Landschaftsschutz,
aber was bei diesem Projekt zerstört werden sollte, erschloss sich ihnen nicht
ganz. Die Ufervegetation war abgeschnitten und hatte keine Verbindung zu anderen Naturräumen,
zudem bestand der Uferabschnitt nur aus mickrigen Erlen und einem mit Sagex,
PET-Flaschen und anderem Müll bedeckten Boden. Landschaftlich war nach dem Bau
der Walenseeautobahn in den 60er Jahren direkt am Ufer zudem nichts mehr zu verbessern.
Da Ingenieure lieber bauen als streiten, entschied man sich für einen anderen Standort.
Auf der gegenüberliegenden Strassenseite fand man einen Platz zwischen Autobahn und
Felswand. Der neue Standort hatte zudem den grossen Vorteil, dass man über den Veloweg
das Material anliefern konnte. Beim alten Standort hätte man dazu jedes Mal eine Autobahnspur
sperren müssen, ein heute unvorstellbares Szenario. So muss man dem Leiter
des Amtes für Umweltschutz danken. Leider hatte er aber für den Natur- und Landschaftsschutz
nichts erreicht - sprich Ersatzmassnahmen. Heutige Berufskollegen sind da vifer
unterwegs. Und so wurde also nichts aus der ersten Tunnelzentrale samt Seeanstoss.
P.S. Da die Causa Café Walensee noch nicht zu Ende ist, wird diese vielleicht ein Thema
für eine spätere Kolumne sein.
Sonntag, 17. Dezember 2023
Neus Wellnessangebot auf Nationalstrassen
Wir stehen Mitten in der die diesjährigen Wellnesssaison und die Anbieter buhlen um die Gunst der Kundschaft. In den letzten Jahren hat auch das hinterste und letzte Hotel eine Sauna oder einen Whirlpool eingerichtet und da möchte natürlich das ASTRA nicht hintenanstehen. Zwar kann das ASTRA ausser ein paar feuchten und quietschenden Betten in Gefängniszellen von Autobahnwerkhöfen keine Unterkünfte anbieten, aber für ein Tages-Spa-Erlebnis hätte wir doch einiges zu bieten. Denn in den 800 Elektrotunnelzentralen, die wegen der Steuerungselektronik dauernd gekühlt werden müssen, fallen nämlich durchschnittlich je 10 kW Abwärme an. Diese Energie reicht
längstens aus, um mehrere Whirlpools auf angenehme 38 Grad zu heizen. Doch stehen diese Zentralen naturgemäss aufgrund des Autobahnlärms und Staubs nicht gerade an attraktiver Lage. Für das Aufstellen eines Whirlpools reicht es aber trotzdem, denn vor lauter Wasserdampf nimmt man die Nationalstrasse gar nicht mehr wahr. Da die meisten Dächer der Zentralen mit Kies eingedeckt sind, kann auch eine exklusive Hotstone-Therapie angeboten werden. Durch die Nutzung der Abwärme kann das ASTRA auch einen attraktiven Eintrittspreis anbieten.
Aber als eigentlicher Hotspot können die Wellness-Zentralen Göschenen und Airolo empfohlen werden. Dort werden in Zukunft je 400 kW Abwärme aus den unterirdischen Elektrozentralen des Gotthard-Strassentunnels anfallen. Im Zuge der Erstellung der zweiten Gotthardröhre werden diese beiden riesigen Wellnessoasen bei den entsprechenden Werkhöfen entstehen.
Des weiteren hat das ASTRA-Stromsparteam unzählige Elektroräume gefunden, die im Winter gut und gerne 27 Grad warm sind. Diese kleinen Räume könnten als Wärmekammern angeboten werden, gut, auch hier ist die Lage im Fundament einer Brücke nicht gerade attraktiv, aber dafür ist der WLAN-Empfang durch das interne Netzwerk sehr leistungsstark.
Sollte eine Strommangellage auftauchen, kann man unbesorgt sein, denn durch die unterbruchsfreie Stromversorgung kann die Wellnesszone trotz restriktiven Auflagen des Bundes weiter betrieben werden – wenigstens für eine Stunde, nachher sind die Batterien leer. Sollte jemand Bedenken betreffend des Stromverbrauchs haben, dem sei versichert, das ASTRA bezieht nur 100% «Wasserstrom Schweiz» und ein ganz kleiner Teil wird auch schon mit eigenen Photovoltaikanlagen produziert. Für eine grössere Unabhängigkeit prüft das ASTRA das Potential von Geothermie in Tunnels.
Wer das Angebot nun etwas dürftig findet, dem können wir die im Zuge der neuen Strategie zur Behandlung der Strassenabwässer erstellten Klärbecken anbieten. Diese Öl-Schlammbäder mit feinen Anteilen von Russpartikel, Pneuabrieb, Mikroplastik und Sand sind eine Wohltat für die Haut. Durch die riesigen Becken ergibt sich ein grosses Platzangebot. Auf dem Pannenstreifen stehen Gratisparkplätze zur Verfügung.
Die ASTRA Wellness Resorts von beeindruckender Eleganz und Schönheit warten auf Ihren Besuch und stehen Ihnen mit zusätzlichen Angeboten zur exklusiven Verfügung. Für Ihre kostbare Zeit bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Entspannung zu finden und effizient etwas für Ihre Gesundheit zu tun.
Sonntag, 10. September 2023
5-Stern Autobahn
Den Wenigsten wird bekannt sein, dass die Nationalstrassen in drei Klassen eingeteilt sind. Wobei diese Klassen nicht vergleichbar sind mit denen der Eisenbahnwagons. Die Nationalstrassen 1. Klasse sind zwar breiter, richtungsgetrennt und verfügen über min destens 4 Spuren. Die Fahrbahn ist aber nicht gepolstert wie die Sitze in der Nobelklasse der Bahn, dafür kostet die Benutzung wie bei den anderen
Nationalstrassenklassen läppische 40 Franken im Jahr.
Die Nationalstrassen 2. Klasse sind ebenfalls nur für Motorfahrzeuge zugänglich, das Kreuzen dieser Strassen kann aber höhengleich erfolgen. Die 3. Klasse bei der Eisenbahn, die bis 1956 bestand, wurde als Holzklasse bezeichnet. Die Holzklasse bei der Auto bahn ist für den gemischten Verkehr vorgesehen. Hier müssen die Autofahrer die Strasse mit Traktoren und Fahrrädern teilen, dafür sind sie „gratis“, d.h. nicht vignettenpflichtig.
Da nun heute anscheinend alle Dienstleistungen bewertet werden müssen, entschied die «Permanent International Association of Road Congresses (PIARC)» die Autobahnen weltweit nach einem einheitlichen Bewertungsschlüssel zu benoten. Es sollten aber nicht
die Strassenbenutzer auf Sozialen Plattformen analog von Tripadvisor oder Google eine Bewertung abgeben können, denn diese Kommentare entbehren jeder Seriosität und jedem Anstand. PIARC, auch bekannt als der Weltstrassenverband, hat sich ein erfahrenes Bewertungsgremium zur Seite gestellt, das aus einem verurteilten Fahrer mit Fahre rflucht oder einem Serien Gegenfahrer, einem Fahrer ohne Führerschein, einem zwei Monate alten Baby, Santa Barbara und dem Göttlichen Merkur besteht. Die
Bewertung erfolgte nach dem Hotelsterne System.
Den 1. Stern gibt es, wenn alle 5 km nur ein Schlagloch auftritt und Tunnels auch Notausgänge haben.
Den 2. Stern gibt es für Abschnitte, die keine Raststätte mit einem Fastfood Restaurant haben.
Der 3. Stern wird Abschnitten vergeben, bei denen pro Streckenkilometer jährlich nur 800 kg Abfall von den Stra ssenrändern eingesammelt werden muss.
Mit dem 4. Stern kann eine Autobahn rechnen, wenn nicht mehr als 60% der Streckenlänge die Sicht auf die Landschaft durch Lärmschutzwände verbaut oder 50% der Lärmschutzwände mit Photovoltaikanlagen belegt sind.
Den 5. und letzten Stern gibt es für eine während 24h garantierten Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Sollte dereinst autonomes Fahren möglich sein, könnte dem entsprechenden Streckenabschnitt der 6. Stern verliehen werden.
P.S. In der italienischen Übersetzung bekommt der Titel noch eine politische Komponente. Die Partei „Cinque Stelle“ aus Italien hat sich nach dem Einsturz der Morandibrücke in Genova mit seinem Regierungspartner gestritten. Sie wollte der privaten Autobahngesellschaft, resp. deren Hauptak tionär Benetton, die Konzession sofort entziehen. Auf alle Fälle hat die Autobahnbetreiberfirma Autostrada per l’Italia für ihre Unterhaltspolitik keine fünf Sterne verdient.
Donnerstag, 15. Juni 2023
Autobahnvignette 1. Klasse
Wieder einmal ein Aufreger, die Bahnbillette der 1. Klasse sollen nur um 1.9 Prozent erhöht werden, wo hingegen die der 2. Klassen um satte 4.8 Prozent steigen. Das sei eine klare Diskriminierung schallte es aus den Medien. Einzelne forderten sogar die Abschaffung der 1. Klasse. Da scheinen Einzelne den „Klassenkampf“ von Karl Marx hervorgenommen zu haben, um die Ungerechtigkeiten in dieser Welt abzuschaffen. Leider hat sich in fast allen Ländern ein Mehrklassensystem eingenistet. Selbst in
kommunistischen Staaten, die eigentlich die Lehre von Marx hochhalten, hat sich eine Oberschicht mit unverschämt reichen Leuten gebildet. Die Wenigsten stören sich, wenn man im Theater, in der Oper oder bei einem Musical für die besseren Plätze mehr bezahlen muss. Auch an gewissen Konzerten bekommt man für einen schönen Aufpreis ein VIP-Ticket. In den Skigebieten hat sich das Zweiklassensystem noch nicht so recht durchgesetzt. Nur bei der Weissen Arena in Flims-Laax erhält man für einen zusätzlichen Obolus eine Extra-Anstehlinie und ist so schneller auf dem Berg, um dann auf den überfüllten Pisten ins Tal zu rutschen.
Mit Fug und Recht kann man sich nun fragen, wieso denn auf der Strasse kein Zweiklassensystem gilt. Denn auch die Strasse hat ein Kapazitätsproblem, so konzentriert sich der Berufsverkehr auf wenige Stunden am Tag, und auch der Freizeitverkehr läuft gelinde gesagt, nicht optimal. An den letzten Ostertagen erreichte der Stau am Gotthard eine Länge von bis zu 22 Kilometer, was bei einzelnen Autofahrern das Blut zum Kochen brachte. Gut, daran waren vielleicht auch die Klimaaktivisten schuld, die sich auf die Autobahn klebten. Nach diesem Monsterstauwochenende schossen die Ideen nur so in die Höhe, wie das Problem zu lösen sei. Der Urner Landrat verabschiedete einstimmig eine Standesinitiative, die ein Ticketsystem verlangt. Von Grünliberaler Seite kam die Idee einer zeitabhängigen Maut. Ohne jetzt den Klassenkampf befeuern zu wollen, hätte aber die Einführung einer Autobahnvignette 1. Klasse doch etwas mehr Charme. Denn den 1. Klasse-Autofahrern würde natürlich auch mehr geboten. Beim Gotthard würde das bedeuten, dass nur sie die Überholspur benutzen dürften und so Vorfahrt hätten. Die 2. Klasse-Autofahrer müssten dann halt in der Kolonne stehen. Um das CO2-Reduktionsziel noch in dieses System hineinzupacken, könnte die Höchstgeschwindigkeit bei der 2. Klassevignette z.B. auf 100 km/h begrenzt werden, wo hingegen mit der 1. Klassevignette nach wie vor 120 km/h erlaubt wäre. Weitere Goodies wären noch zu überlegen.
Freitag, 7. April 2023
Der Zauberkreisel
Seit Jahren bemühen sich die Verkehrsplaner, den Verkehrsfluss bei Kreuzungen in den Griff zu kriegen. Das Zauberwort heisst mal Lichtsignalanlage, mal Kreisel, dann Bypass, anschliessend interagierende und adaptive Verkehrsampeln, dann wieder Turbokreisel oder Doppelkreisel usw. und so fort. Doch immer ist es das falsche „Zauberwort“, denn nach kurzer Zeit bilden sich wieder lange Staus. Doch im Grunde müsste man sich an das Gedicht „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang Goethe erinnern:
„Walle! Walle
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Verkehre fliesse
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Kreisel sich ergiesse.“
„Seht, er fährt zum Kreisel nieder,
Wahrlich! Ist schon in dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Und in grossem Masse
Wie der Kreisel schwillt!
Wie sich jede Strasse
Voll mit Wagen füllt“
„Stehe! Stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! Wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!
Nein, nicht länger
kann ich’s lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! Nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! Welche Blicke!“
„Wollt ihr’s am Ende
gar nicht lassen?
Will euch fassen,
will euch halten
und das alte Blech behende
mit dem scharfen Beile spalten.
Wehe! Wehe!
Denn die Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig im Verkehre!
Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!“
„Herr und Meister!
Hör mich rufen!
- Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist gross!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.“
„In die Ecke
Wagen! Wagen!
Seid's gefahren.
Denn als Geister
ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.“
Schlussendlich bleibt die bange Frage: Wo sind heute Herr und Meister für den Strassenverkehr? Ist es der Zauberer von Ittigen?
P.S. Ittigen ist der Hauptsitz des Bundesamtes für Strassen ASTRA.
Sonntag, 19. März 2023
Kalte Stube – warmes Auto
Die Strom- und Gasmangellage ist für fast alle eine Geschichte von gestern. Das mag für diesen Winter zutreffen, doch weder die Energiesparkampagne hat viel gebracht, noch sind neue Kraftwerke am Netz. Das Thema wird uns also auch in den nächsten Winter beschäftigen.
Irgendwie wiederholt sich die Geschichte. Im Corona-Jahr 2020 gab es zur Steigerung der Attraktivität der Gartenrestaurants einen Streit um die Heizpilze. Nun sind wir wieder in einem Winter, bei dem die Behörden, was die Heizungen betrifft, allenfalls unbeliebte Einschränkungen verhängen müssen. In den Büroräumen der Bundesverwaltung ist es schon mal kalt. Sollte der Rest des Winters noch kälter werden, könnte sich leicht eine Kaufhysterie bei Heizlüftern aus Angst um eine kalte Stube entwickeln. So gesehen müssten die Behörden eigentlich schon jetzt aktiv werden. Das Heizen mit Elektrowiderstands-heizungen, wie sie im Fachjargon heissen, ist erstens hochgradig unwirtschaftlich und ein verschwenderischer Umgang mit Energie, zweitens bringen viele mobile Heizgeräte das Energieversorgungssystem an den Rand eines Blackouts.
Angesicht der drohenden kalten Wohnung könnte manch ein Schlauberger auf die Idee kommen, während der Phase einer Stromnetzabschaltung in sein Auto zu sitzen, den Motor anzulassen und die Sitzheizung einzuschalten. Wer das Auto in einer grossen Tiefgarage geparkt hat, sollte aber beachten, dass sich das Garagentor nur mit elektrischem Strom öffnen lässt. Wer also vor der Netzabschaltung das Auto aus der Tiefgarage manövriert hat, könnte nun während der vier Stunden der Netzabschaltung im Quartier herumkurven. Das ist zwar ein lufthygienischer Unsinn und belästigt die Nachbarn, aber wenigstens hat man warm. Vor dieser Aufwärmtour sollte man aber den Tank füllen, denn die Tankstellen sind während der Netzabschaltung ausser Betrieb, weil die Benzinpumpe eben auch mit Strom läuft. Gut beraten ist darum derjenige, der ein paar Benzinkanister im Keller lagert.
Aber vielleicht ist es schlauer, der kalten Wohnung mit der inneren Wärme zu trotzen. Der Bundesrat müsste analog der japanischen Regierung bei einer Strommangellage die Bevölkerung dazu aufrufen, vermehrt Alkohol zu trinken. In Japan ist die Bevölkerung dazu aufgefordert mehr Sake zu trinken, wobei hier das Problem die rückläufigen Alkoholsteuereinnahmen sind und nicht etwa die kalte Stube. Obwohl die wenigsten einen Notvorrat angelegt haben, ist der eigene Weinkeller meist gut bestückt, geschweige denn die Hausbar, mit der man das ganze Wohnquartier in eine Alkoholvergiftung führen kann. Das sind ideale Voraussetzungen, sich in dieser Krisenlage wenigstens innerlich zu wärmen, da diesbezüglich keine Mangellage besteht.
P.S. Diese Geschichte ist mir nach dem Genuss von einer gan zen Flasche feinen Rotwein meines Winzers und der anschliessenden Einnahme von drei Gläsern Grappa in den Sinn gekommen. Den Reiswein sollen die Japaner selbst trinken.
Montag, 30. Januar 2023
Die Strassentunnels haben keine Lichtschalter
War das eine Aufregung als im Frühling/Sommer allen klar wurde, dass fast ganz Europa in eine regelrechte Strommangellage rasselt. Von allen Seiten kamen Vorschläge wie man diese drohende Krise abwenden könne. Diese reichten vom Anlegen eines Kerzen/Batterie-Notvorrats oder dem grosszügigen Einkauf von Cheminéeholz bis zu einer Sparkampagne des Bundes. In Deutschland entstand sogar eine Polemik über die Dauer des Duschens oder die Verwendung von Waschlappen für die Körperpflege. Auch die Politik in der Schweiz erwachte und verabschiedete in einem nie dagewesenen Tempo innert drei Wochen ein Gesetz, das die Winterstromproduktion massiv fördern soll. Dass dieses Gesetz für den Winter 2022/23 nichts nützt, war aber sofort klar. Zudem wurden Ersatzkraftwerke in Auftrag gegeben und Energiereserven in Speicherseen für 300 Millionen Franken eingekauft. Wenn das alles nichts nützt, kommen dann halt Kontingentierung, Rationierung oder Netzabschaltung zum Zuge. Dazu grub man uralte Krisenpläne aus, bei der die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (OSTRAL) die Bewältigung einer Strommangellage organisieren muss. Doch als man diese Pläne genauer anschaute, merkte man, dass das alles schöne Theorie ist und eigentlich niemand genau wusste, wie man die umsetzt.
In den Medien wurden einzelne Verbraucher, die bei einer Rationierung abgestellt werden müssten, publiziert. So las man, dass Rolltreppen, Saunas, Beschneiungsanlagen und Reklamebeleuchtungen wohl als Erste drankommen würden. Die offizielle Liste wurde dann im Dezember mit dem Entwurf der „Verordnung über Beschränkungen und Verbote der Verwendung elektrischer Energie“ veröffentlicht. Darin werden die Beschränkungen und Verbote von Bügeleisen, Wäschemangeln, Teller- und Tassenwärmern, Streaming-Diensten, Elektroautos, Heizpilzen, Sitzheizungen von Sesselliften, elektrischen Laubbläsern, Waschanlagen für Personenwagen, Mining von Kryptowährungen und vielem mehr aufgeführt.
Und bei Autobahntunnels was läuft da? Ja da kann man aus Gründen der Sicherheit und der Verfügbarkeit gar nichts sparen. Soweit die offizielle Version, in Tat und Wahrheit haben wir in den Tunnels einfach keine Lichtschalter um die Beleuchtung, die an 365 Tagen 24 Stunden brennt, abzuschalten.
Einige mögen nun einwenden, dass sich die Lage im Stromsektor beruhigt hat. Das mag für diesen Winter stimmen, weil die Gasspeicher am Anfang noch mit russischem Gas gefüllt werden konnten, viele der maroden französischen Atomkraftwerke in Betrieb genommen wurden, die Speicherseen wider Erwarten gefüllt werden konnten und mit der Sparkampagne der Verbrauch um 3.7% zurück ging. Da im nächsten Winter die Diskussionen weitergehen, würde es vielleicht Sinn machen, sich etwas mit der Materie zu befassen. Denn die Wenigsten kennen den Unterschied zwischen Blackout und Netzabschaltung. Bei einer Netzabschaltung in Folge einer Strommangellage hat man noch Zeit die Streichhölzer in der beleuchteten Wohnung zu suchen, um die Kerzen anzuzünden. Bei einem Blackout muss man die Streichhölzer im Dunkeln suchen. Aber eben: dunkel wird es in beiden Fällen.
Dienstag, 27. Dezember 2022
Leise rieselt der Schnee – im Tunnel
Jedes Jahr das gleiche Gejammere: Wird es weisse Weihnachten geben, oder müssen wir den Christbaum mit saurer Miene im grünen Garten bestaunen? Die Meteorologen liefern sich dazu abendfüllende Sendungen warum jetzt kein Schnee kommt oder in welchen Gegenden doch noch mit Schnee unter dem LED-beleuchteten Tannenbaum im Garten gerechnet werden kann.
Die Wetter-Nachrichten im Fernsehen sind für einigermassen intelligente Menschen eine arge Belastung. Geht es doch in diesen Sendungen nicht um die reine Vermittlung von News, sondern es finden regelrechte Shows statt. Das SRF hat dazu vor Jahren auf dem Dach des Fernsehgebäudes in Zürich ein Wetterstudio eingerichtet, damit auch die Dümmsten merken, dass das Wetter draussen stattfindet. Das kann man auf dem eigenen Balkon billiger haben. Auch das Wetter-Format wetter.tv hat noch eigene Höhepunkte in ihre Nachrichten eingebaut. So moderiert dort eine Frau die Sendung, und soweit man es überblicken kann, hat sie jeden Tag ein anderes Kleid an. Den Kleiderschrank dieser Dame würde man gerne mal sehen. Dieses Beispiel zeigt schön, dass es eigentlich gar nicht um die Wettervorhersagen geht, sondern darum, die Sendeminuten zwischen den Werbeblöcken so zu füllen, dass die Leute dranbleiben.
Damit das Gejammere mit dem Schnee an Weihnachten und die Darbietungen von Kachelmann, Bucheli und anderen Wetter-Clowns ein Ende hat, installiert das ASTRA in allen Autobahn-Tunnels Beschneiungsanlagen. Dazu werden handelsübliche Hochdrucknebelanlagen an der Tunneldecke montiert. Die auch als Brandbekämpfungsanlagen (BBA) bezeichneten Systeme werden weltweit in einigen wenigen Tunnels eingesetzt, um bei einem Ereignis die Temperatur des Feuers reduzieren zu können. In der Schweiz werden diese Löschanlagen bis anhin nirgends eingesetzt. Die BBA funktionieren wie eine Sprinkleranlage, nur, dass der Wasserstrahl viel feiner ist und mit Hochdruck die Wasserrohre verlässt. Für die neuen Beschneiungsanlagen werden die BBA mit einem Swiss-Edition-Schneemodul ergänzt, das die Wassertropfen gefrieren lässt und Schnee versprüht wird.
In der Zeit der Weihnachtsmärkte sperrt man dann alle Tunnels und lässt diese BBA mit Schneemodul auf Hochdruck laufen. Wenn die Weihnachtsstände im Tunnel nun schön mit Schnee zugedeckt sind, kommt Winterstimmung auf. Und ja, die auf der zweiten Spur parkierten Autos der Glühwein trinkenden Besucher werden natürlich auch zünftig eingeschneit. Nach dem Besuch des Marktes kann man dann, leicht angetrunken, sein Auto unter einer 50 cm hohen Schneedecke hervorbuddeln – wenn da nicht eine grossartige Weihnachtsstimmung aufkommt?
Sonntag, 27. November 2022
Zwölf autofreie Sonntage
Autofreie Sonntage kennen die unter 50-Jährigen nur vom Hörensagen, oder sie wurden als Säugling in einem Kinderwagen über die leeren Autobahnen gestossen. Im Jahre 1973 ordnete der Bundesrat aufgrund des Treibstoff-Engpasses drei autofreie Sonntage an, weil in Folge des Jom-Kippur-Kriegs die arabischen Staaten ein Ölembargo verhängten. Das behördliche Verbot führte aber nicht zu Massenprotesten – wie heute, sondern artete regelrecht in einem Volksfest aus. Alles was fahren konnte, und keinen Motor hatte, wurde an diesen Sonntagen auf die leeren Strassen geschleppt: Kinderwagen, Trottinette, Velos, Rollschuhe. Vierspurige Autobahnen verkamen zu regelrechten Rummelplätzen.
Im Zuge der Ukraine-Krise kommen nun autofreie Sonntage wieder aufs Tapet. Die Rede ist von ein bis vier autofreien Sonntagen pro Jahr. Zudem führen einzelne Gemeinden, im Rahmen der Kampagne zur Förderung der Mobilitätswende, am 22. September einen autofreien Aktionstag durch. Dabei werden aber nur einzelne Strassenzüge für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Doch das ist alles Mumpitz. Wenn man eine Wirkung erzielen will, müssen es schon mindestens zwölf autofreie Sonntage sein. Aber nicht um die heutige Spassgesellschaft zu bedienen, damit diese wieder Happenings auf den leeren Strassen veranstalten kann, nein schlicht und einfach für den Erhalt der einheimischen Strassenbaustellen. Früher konnte man auf Autobahnen noch mehrere Tage hintereinander kilometerlange Spurreduktionen vom Feinsten durchführen. Früher, also in den 70iger Jahren, konnte man sogar tagsüber ganze Spuren sperren – oder zur Not auch mal die ganze Fahrbahn. Ja, früher, da machte das Bauen auf der Strasse noch Freude. Heute werden die Bauarbeiter von den
Autofahrern mit Schimpfwörtern und PET-Flaschen beschmissen. Heute kann man bestenfalls die Autobahn tief in der Nacht sperren, und selbst das führt noch zu Staus. Das ASTRA unternimmt deshalb immense Anstrengungen, um den Verkehr durch die Baustellen nicht zu beeinträchtigen. So werden Spursperrungen für Bau- und Unterhaltsarbeiten nur noch in der Nacht durchgeführt. In diesem Jahr hat das Amt sogar eine befahrbare Brücke in Betrieb genommen, die es ermöglicht, darunter tagsüber Belagssanierungen durchzuführen. Der Verkehr läuft währenddessen über diese Brücke.
Doch irgendwann ist man mit den Möglichkeiten am Ende und es müssen neue Lösungen her, und eine davon heisst eben: zwölf autofreie Sonntage. An diesen Tagen werden dann tausende von Bauarbeitern die Sanierungsarbeiten auf hunderten von Baustellen in der ganzen Schweiz durchführen, ohne den Verkehr zu stören. Im Fachjargon nennt man das Closter-Baustellen.
Wer nun denkt, wow, das ist ja super, dann fällt der obligate monatliche Sonntagsbesuch bei der Schwiegermutter voll ins Wasser bzw. auf einen autofreien Sonntag, hat sich schwer geschnitten. Denn der Besuch muss wohl oder übel am darauffolgenden Sonntag nachgeholt werden, das gibt einem die Schwiegermutter am Telefon unmissverständlich zu verstehen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Samstag, 5. November 2022
Eisenbahn auf der Autobahn
Eine Würdigung zum 175-jährigen Jubiläum der Eisenbahnen in der Schweiz Als 1847 die erste Eisenbahn von Zürich nach Baden fuhr, war das für die betuchte Gesellschaft eine Erlösung. Denn bis dato mussten die Armen in klapprigen Pferdewagen über schlechte Kiesstrassen fahren. Alle 15 km mussten die Pferde gewechselt werden und die Fahrt dauerte über drei Stunden. Nach Eröffnung der Spanisch-Brötli-Bahn dauerte die Fahrt nur noch 45 Minuten.
Als sich in den 50iger Jahren das Auto zum Massenverkehrsmittel entwickelte, wurde es auf den Verkehrsachsen zunehmend eng. Die Bahn und die Autos mussten sich ein Trassee teilen. So entstanden Strassenbahnen in mittleren bis grösseren Städten, aber auch auf dem Lande. Sogar auf dem ersten Autobahnabschnitt von Kriens nach Ennethorw querten Eisenbahngleise die Autofahrbahn. Mit dem Autoboom wurden die Bahnen zunehmend zu einem Hindernis, waren nicht mehr wirtschaftlich und verschwanden schlussendlich. So die Bahn im Maggiatal zwischen Ponte Brolla und Bignasco oder die Bahn auf der Strecke Vevey-Montreux-Chillon-Villeneuve. Unter eingefleischten Eisenbahnfans sind die Strassenbauer deshalb die Totengräber von unzähligen sehr romantischen Strassenbahn-Strecken. Als Mitarbeiter eines Strassenbauamtes mit einem eisenbahnaffinen Freundeskreis kriegt man das knallhart zu spüren. So ist man dann rasch persönlich schuld an der Einstellung der BellinzonaMesecco-Bahn, die im Zuge einer neuen Linienführung der Autobahn weichen musste.
Zum Glück hat die Strasse nicht allen historischen Bahnstrecken den Garaus gemacht, und so können die Eisenbahnfans sich zum 175-jährigen Jubiläum auf unbequemen Holzbänken und mit Russ in den Haaren auf den historischen Bahnstrecken vergnügen.
Zum Schluss noch einen Glückwunschgruss an die Eisenbahn:
«Liebe Bahn, wir gratulieren dir ganz herzlich zu deinem ehrwürdigen Geburtstag. Wir hoffen, dass du noch lange lebst und viele Nachkommen hast. Gut, etwas vom Charme und vom Komfort der Gründerjahre, also den der 1. Klasse, könntest du schon noch übernehmen. Mit diesen hochtechnisierten, neumodischen Zügen mögen wir Zugfahrer wohl etwas schneller ankommen – vorausgesetzt allerdings, die Türen sind nicht wieder von Störungen befallen – aber das Reisen in denselben ist wahrlich abenteuerlich im negativen Sinne geworden… wenn es einem nicht von der Neigetechnik schlecht wird, dann spätestens von den stinkenden WC Kläranlagen, deren Gestank in Zug und Bahnhof weder die zusätzlichen Putzequipen noch die Hochdruckreiniger Herr werden …
Donnerstag, 22. September 2022
E-Auto fährt mit Pommes-Frites-Öl
Das Elektroauto ist ökologisch nicht ganz bedenkenlos. Besonders der benötigte elektrische Energiebedarf zum Laden der Batterie ist immens. Zudem gehen alle davon aus, dass dieser mit erneuerbaren Quellen erzeugt wird. In der Schweiz schätzt man den Bedarf für grünen Strom, wenn 100% der Autos elektrisch fahren, auf 20 TWh pro Jahr. Das entspricht etwa einem Drittel des heutigen Gesamtstrombedarfes. Das Naheliegendste wäre, diese Energie mit Hilfe der Sonneneinstrahlung zu erzeugen. Das dies nicht überall selbstverständlich ist, zeigt das Beispiel Australien. Im Land mit einer der höchsten Sonneneinstrahlung, ist Solarenergie ein Fremdwort. Lieber setzt man auf Kohle und Öl, nach dem Motto: was nicht stinkt und raucht, ist nichts wert. So wird heute noch 54% des Stroms mit Kohlekraftwerken erzeugt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ein pensionierter Ingenieur in der australischen Wüste auf die Idee kam, eine Elektroschnellladestation mit Pommes-FritesÖl zu betreiben. Dazu sammelte er das Altöl der zehn Highway Raststätten zwischen Perth und Adelaide ein und treibt damit einen Generator an. In Australien muss man sich natürlich nicht fragen, unter welchen fragwürdigen lufthygienischen Bedingungen dieser Ölgenerator betrieben wird. Das Wort Schadstofffilter kennt der findige Ingenieur John Edwards wohl nicht. Wobei, vielleicht ist die Ökobilanz dieser Schnellladestation in der dünnbesiedelten Nullarbor-Ebene im Süden von Australien trotzdem positiv. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war der 910 Kilometer lange Eyre Highway mit Elektroautos nicht befahrbar, und das alte Fritieröl musste in die weit entfernte Entsorgungsstelle gekarrt werden. Dazu kommt, dass im letzten Jahr bloss fünf Elektroautos diese verlassene Gegend befuhren. Doch schlussendlich wird die Geschichte zeigen, ob solche Initiativen die Menschheit rettet, oder ob ein Song der australischen Rockband AC/DC Wahrheit wird. Auf ihrer Tourneefahrt durch die gleissende Hitze der Nullarbor-Ebene wurden sie nämlich 1979 zum Song „Highway to Hell“ inspiriert. P.S. Bei den Wahlen im Mai 2022 haben die Australier nun gemerkt, dass der energiepolitische Kurs der konservativen Regierung in die Sackgasse führt und haben den bisherigen Premierminister Scott Morrison und seine Regierung in diese Wüste geschickt.
Freitag, 12. August 2022
5 Franken für die Oligarchen
„Benzinpreis trübt Osterfreude“, dieser Titel eines Artikels war nicht etwa dieses Jahr in der NZZ zu lesen, sondern er stammt aus dem Jahr 2007. Daran beklagt sich der Autor bitterlich, dass der Benzinpreis um 10 Rappen auf 1.64 Franken gestiegen sei, und sich der Osterurlaub massiv verteuern werde. Angesicht der derzeitigen Preisentwicklung mit Höchstwerten über CHF 2.40 muss man darüber nur lachen. Den Autofahrern ist es aber nicht ums Lachen, nicht wenige steigerten sich sogar zu Wutausbrüchen. In Deutschland ging die Wut so weit, dass ein Korso von 500 Autos gegen die Preiserhöhung protestierte. Dabei gab es mehrere Auffahrunfälle. Doch was soll diese Demo auf deutscher Autobahn, die deutsche Regierung kann nun wirklich nichts dafür, dass die Benzinpreise so rasant angestiegen sind. Nein, dieser Protestkorso hätte auf dem Roten Platz in Moskau stattfinden müssen, denn hinter den dicken Mauern des Kremls sitzt der wahre Übeltäter. Doch wenn man dieses Jahr den Megastau von 25 km vor dem Gotthard beobachtete, kann es mit der Wut nicht so weit her sein. Andernfalls müssten alle, die im Stau standen blöd sein – und das kann ja nicht sein…
Doch wieso die Menschheit so ein verkrampftes Verhältnis zum Benzinpreis hat, lässt sich nur schwerlich erklären. Denn der Benzinpreis ist den direkten Marktkräften ausgesetzt, und die Marktwirtschaft finden doch alle immer super. Dazu kommt, dass bei den Kosten für die Automobilität die Treibstoffkosten nur 16 % ausmachen. Also, wo liegt das Problem? Wahrscheinlich ist es der Ärger, dass vom Benzinpreis viele profitieren. Zuerst sind da die Zölle, mit denen sich die Autofahrer als Milchkühe der Nation fühlen. Dass sie für dieses Geld ein tadelloses Strassennetz bekommen, blenden sie geflissentlich aus. Dabei sind in diesen Zöllen nicht einmal Umweltabgaben enthalten. Die CO2-Abgaben von lächerlichen 1.5 Rappen pro Liter decken die Umwelt- und Gesundheitskosten in keiner Weise ab. Eigentlich müsste sich der Ärger über die hohen Treibstoffpreise auf die letzte Gruppe der Begünstigten fokussieren, den Oligarchen und sonstigen Ölmilliardären. Den das sind die grossen Profiteure der hohen Spritpreise. Was die mit dem Haufen Geld machen, weiss nun die ganze Welt, nachdem unzählige Hochseejachten im Zuge der Sanktionsmassnahmen wegen des Angriffes auf die Ukraine beschlagnahmt wurden. Diese protzigen und bis zu 156 Meter langen Jachten stehen nun für teures Geld in irgendwelchen Marinas. So gesehen, wäre es eigentlich schlauer gewesen, der 12 Rappen CO2-Abgabe bei der seinerzeitigen Abstimmung um das CO2-Gesetz zuzustimmen…
Doch schlussendlich müsste man den Benzinpreis, um die Klimaerwärmung zu stoppen, auf ein anderes Niveau legen. Denn gemäss Studien ist erst ab einem Benzinpreis von 5 Franken eine signifikante Änderung des Fahrverhaltens feststellbar. Dieser hohe Spritpreis hat aber einen kleinen Haken. Durch die gestiegenen Preise wird noch mehr Geld in die Taschen der Oligarchen gespült. Diesen bleibt dann nichts anderes übrig als 312 Meter lange Hochseejachten zu kaufen.
P.S. Wer sich noch intensiver mit den Jachten der Oligarchen befassen will, kann sich gerne bei der entwicklungspolitischen Organisation PublicEye das grosse Schweizer „Quartett der Oligarchen“ bestellen. Wer die längste Jacht hat gewinnt.
Mittwoch, 20. Juli 2022
Geschwindigkeitssignale werden entfernt
Endlich gibt es keine Bussen mehr wegen der Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit auf Strassen. Ab 6. Juli 2022 müssen nämlich in der EU alle neu entwickelten Fahrzeuge mit einem intelligenten Geschwindigkeitsassistenten ausgerüstet werden. Dieser Assistent warnt den Autofahrer, wenn er zu schnell fährt oder reduziert die Geschwindigkeit gerade selbst.
Die Tempobolzerei hat damit ein Ende. Wer trotzdem den Geschwindigkeitsrausch braucht, muss nach Deutschland fahren, wo bekanntermassen selbst unter Grüner Regierungsbeteiligung keine Höchstgeschwindigkeiten in Sicht sind. Man kann auch sein altes Auto als Dritt- oder Viert-Wagen behalten, um ohne störende Warnsignale weiterhin über die Strassen brettern zu können. Doch das können sich nur Nicht-Städter leisten, die nicht unter Parkplatznot leiden.
Wer nun glaubt, dass am 7. Juli 2022 die Werkhofmitarbeiter begonnen haben, flächendeckend die Geschwindigkeitssignale zu entfernen, hat sich schwer geschnitten. Auch die verhassten Blitzkästen, oder amtlich korrekt Geschwindigkeitsmessanlagen, werden bleiben. Bis nämlich 100 Prozent der Autos mit einem Intelligent Speed Assistance (ISA) ausgerüstet sind, wird es noch Jahrzehnte dauern. Das ASTRA wird deshalb das Programm VM-Roadmap, welches die Installation unzähliger intelligenter Geschwindigkeitsharmonisierungsanlagen beinhaltet, nicht stoppen. Denn die Erfassung der Geschwindigkeiten in den ISA erfolgt mittels zertifiziertem Kartenmaterial und den Kamerabildern der Verkehrsschilder. Und bis die elektronische Übermittlung der Höchstgeschwindigkeit direkt in die Autos funktioniert, wird es noch einige Zeit dauern. Internationale Normengremien streiten sich nämlich, welche CarToInfrastructure-Kommunikation nun zum Zuge kommen soll. Ob über das Mobilfunknetz mit 5G oder über ein WLAN-Netz oder über das Satellitensystem Starlink von Elon Musk: In jedem Fall braucht es einen massiven Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur. So wird es weiterhin Geschwindigkeitsübertretungen geben, was die Kassen der Kantone nach wie vor schön klingeln lässt.
Wer die Nase von dieser Bevormundung im Strassenverkehr voll hat, sollte auf den Öffentlichen Verkehr umsteigen. Dort gibt es zwar auch Höchstgeschwindigkeiten und ein ISA, aber darum muss sich der Lokomotivführer kümmern, die Bahnbenutzer sind davon nicht betroffen.
P.S. Ob die Schweiz diese EU-Regelung übernimmt oder wieder ein Sonderzügli fahren will, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.
Samstag, 18. Juni 2022
Nachruf auf den Ersatzkanister
Obwohl die Zahl für die Inverkehrssetzung von Elektroautos rasant steigt, sind noch viele Autofahrer ob diesem neuen Vehikel skeptisch. Nicht wegen den Kosten oder der nicht ganz unproblematischen Materialzusammensetzung der Batterie. Auch haben die Elektroautos den Mief eines langsam dahin tuckernden Vehikels für Weltverbesserer abgelegt. Es ist langsam sexy, so einen elektrisch angetriebenen Wagen zu haben, insbesondere dann, wenn die Beschleunigung fast einem Formel 1 Schlitten entspricht. Nein, der grosse „Mangel“ dieser dekarbonisierten Autos ist die begrenzte Reichweite. Es treibt dem Benutzer den Schweiss aus der Stirne, wenn er daran denkt, irgendwo im Nowhere mit entladener Batterie zu landen. Vor diesem Schreckensszenario möchte sich der Sicherheit liebende Autofahrer mit aller Gewalt bewahren.
Doch denkt man an die Anfänge der Benzinautos zurück, so waren dies auch ungewisse Zeiten. Die erste Fernfahrt von Bertha Benz war mit Strapazen verbunden und nur dank ihres eisernen Willens erfolgreich. Im Jahre 1888 wollte sie beweisen, dass die Autos ihres Mannes gebrauchstauglich sind und fuhr heimlich in den Schulferien mit ihren beiden Söhnen von Mannheim in das 90 Kilometer entfernte Pforzheim. Tankstellen gab es noch keine. Das Benzin musste sie in den Apotheken kaufen. Aus diesem Anlass bezeichnet sich noch heute die Stadt-Apotheke von Wiesloch als erste Tankstelle der Welt.
Als das Auto vom Vehikel für die Oberschicht zum Volkswagen mutierte, war das Tankstellennetz noch nicht so dicht und der Spritverbrauch hoch. Besonders zu Ferienzeiten sah man vielfach Autos am Rande der Strasse stehen und die Fahrer liefen ratlos um das Auto oder waren schon zu Fuss unterwegs zur nächsten Tankstelle, um einen gefüllten Ersatzkanister zu kaufen. So führten einige fortan einen Ersatzkanister mit.
Die stolzen Besitzer eines Elektroautos mögen ab diesen Geschichten nur schmunzeln. Doch auch sie haben das Problem, dass sich ihre Karre mit einer leeren Batterie keinen Millimeter bewegen lässt. Einige clevere E-Autos haben zwar ein Batteriemanagement-System eingebaut, welches mögliche freie Ladestationen frühzeitig aufzeigt. Aber das hat natürlich seinen Preis. Findige Wohnhausbesitzer mit einer Photovoltaikanlage bieten schon mit Werbeplakaten an der Strasse Steckdosen zum Nachladen an.
Doch wie würde so ein elektrischer Ersatzkanister aussehen? Man könnte sich einen fahrbaren Einkaufshandwagen vorstellen. Nur würde der etwa 200kg schwer werden, damit man das liegengebliebene Elektroauto innert nützlicher Frist wieder flottkriegt. Aber wo stehen dann diese Ersatzbatterien? Eine andere Idee wäre eine Ersatzbatterie in der Gestalt eines Anhängers. Aber auch das macht wenig Sinn. Dann gibt es noch weitere unzählige Ideen von Lademöglichkeiten wie Steckdosen an Beleuchtungskandelaber, Parkuhren, Verkehrsampeln und obligatorische Steckdosen in allen Tiefgaragen und bei Firmenparkplätzen.
Doch schlussendlich: wer kein Vertrauen in die Technik hat, fährt lieber Bahn. Dort kommt der Strom dauernd aus einer Fahrleitung – also meistens!
Mittwoch, 13. April 2022
Wegen Strommangel Tunnel geschlossen?
Bis vor kurzem kam bei den meisten Konsumenten der Strom einfach aus der Steckdose. Man wusste noch irgendwie, dass Stauseen und Atomkraftwerke zur Stromproduktion da sind, aber vom Zwischendurch mit Übertragungsnetz, Verteilnetz, Regelenergie, Speicherenergie und Importstrom hatten die Wenigsten eine Ahnung. Und jetzt die Hiobsbotschaft von einer drohenden Strommangellage. Seit dieser Ankündigung überbieten sich Politiker und Lobbyisten mit Vorschlägen. Es wurde zu einer regelrechten Anbauschlacht mit neuen Wasser-, Wind- und Solarkraftwerken gerufen. Ganz Mutige warfen sogar die Atomkraft in die Waagschale, um die Dramatik zu verstärken. Eine Partei wollte sogar einen Stromgeneral einsetzen. Zu guter Letzt sollte die Bewältigung der Strommangellage noch CO2 neutral erfolgen.
Das ganze Desaster begann, als die Schweiz die Verhandlungen mit der EU über das Stromabkommen abgebrochen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man den Strom bequem aus dem Ausland beziehen. Sollen doch die anderen ihre Landschaft mit Kraftwerken verschandeln und schlechte Luft einatmen. Doch nun prognostizierten Experten eine Strommangellage. Der Bundesrat hat daraufhin einen ganzen Strauss von Massnahmen mittels Änderungen von Gesetzen und Verordnungen in die Vernehmlassung geschickt. Flugs kam der Vorwurf einer Planwirtschaft. Doch hätte man sich in den letzten Jahren beim Energiesparen etwas mehr angestrengt, wäre jetzt so eine Feuerwehrübung nicht notwendig.
Im Rahmen des Programms „Vorbild Energie und Klima“ hat das ASTRA begonnen, die Tunnelbeleuchtungen auf LED umzurüsten und die wenigen noch vorhandenen Strassenbeleuchtungen abzubrechen, aber leider reicht das nicht, um eine Strommangellage abzuwenden. Damit wir es etwas besser als die Chinesen machen, wurde ein dekarbonisiertes klimaneutrales BSA-Kreativteam gebildet. In China haben nämlich Provinzbeamte, als sie gegen Ende Jahr merkten, dass sie die CO2-Vorgaben nicht einhalten können, kurzerhand den Fabriken den Strom abgestellt. In der Schweiz wird in Strassentunneln jeder Quadratmeter der Fahrbahn durchschnittlich mit 1.5 Candela beleuchtet. Candela ist das lateinische Wort für Kerze und bezeichnet die Lichtstärke. Alle Tunnel sollen nun bis 2050 mit einer Kerzenbeleuchtung nachgerüstet werden. Damit liesse sich der Strombezug um 9 MW reduzieren. Wer jetzt diesen technologischen Rückschritt ins 17. Jh. bedauert, dem sei gesagt, dass viele Tunnelportalbauwerke unter Kulturgüterschutz stehen. Die neue Kerzenbeleuchtung bildet damit eine baukulturelle Einheit mit diesen national geschützten Portalen. Zudem kann das ASTRA ab der nächsten Adventszeit optimal an der Weihnachtsbeleuchtungs-Anbauschlacht teilnehmen.
P.S. Wer sich mit dem Leben ohne Strom intensiver befassen will, dem sei das Buch „Blackout“ von Marc Elsberg sehr zu empfehlen. Es ist eine spannende Geschichte über einen zweiwöchigen Stromunterbruch in Europa.
Mittwoch, 16. März 2022
Pinguine machen Autostopp
Jeden Sonntag im Winter veranstaltet der Zoo für die Besucher einen gemeinsamen Spaziergang mit Königspinguinen. Die Pinguine freuen sich zwar, mindestens einmal in der Woche ihren Käfig, der eigentlich einem grossen durchsichtigen Kühlschrank gleicht, verlassen zu können. Doch einem Pinguinpaar geht diese Pinguinparade mit dem Gewatschel auf dem immer gleichen Weg langsam auf den Geist. Sie möchten einmal ihre Heimat sehen und benutzen eben diesen Anlass und büxen aus. Kaum haben sie den Zoo verlassen, erblicken sie auf der Zufahrtsstrasse ein regelrechtes Verkehrschaos.
Wie Pinguine auf dem Packeis schlittern Autos mit Sommerpneus auf der schneebedeckten Fahrbahn umher. Die beiden Pinguine stehen verdutzt am Strassenrand und beobachten das Schauspiel, dabei werden sie von einem vorbeifahrenden Salzstreufahrzeug mit Salzsole bespritzt. Mit dem Salz in den Federn fühlen sie sich zwar wie in ihrer Heimat, aber auf den Strassendreck im Gesicht können sie verzichten und watscheln weiter Richtung Bushaltestelle. Dort stehen Leute wie Pinguine in einer Reihe und starren wartend in ein so leuchtendes Gerät. Für was Smartphones gut sind, können Pinguine ja nicht verstehen. Kurz darauf kommt ein Bus und die Pinguine hüpfen hinein. Als alle in der Einkaufsstrasse aussteigen, werden die kleinen Pinguine mit dem Menschenstrom mitgerissen. Beim Schlendern in der Einkaufsstrasse entdecken sie immer wieder Gegenstände mit Pinguinen. Für was die Menschen Glacélöffel mit Pinguinstiel, Pinguine als WC-Besenhalter, Espressotassen mit aufgedruckten Pinguinen brauchen, können sie nicht nachvollziehen.
Völlig belämmert von diesem Produkte-Überangebot verlassen sie fluchtartig die Konsumtempel mit einem Taxi. Wobei, sie mussten lange warten, bis sie überhaupt ein Taxi mitnehmen wollte, weil jeder Fahrer Angst hatte, sie würden das Auto verdrecken. Als sie nach einiger Zeit den Taxifahrer freundlich baten, die Autoheizung etwas zurückzudrehen, wird dieser fuchsteufelswild und wirft die beiden verdutzten Pinguine bei der nächsten Autobahn-Raststätte aus dem Taxi. Gut hatte das dortige Restaurant gerade mediterrane Woche. So konnten sie sich den Bauch mit Krevetten vollschlagen. Eigentlich gehören Krevetten nicht gerade zu ihrem Speiseplan, aber immer noch besser als ein fettiger Hamburger.
Voll gefressen suchen sie auf der Raststätte einen Schlafplatz; plötzlich entdecken sie einen offenen Kühllastwagen, schnell hüpfen sie in den Laderaum. Die Fahrt ist angenehm, weil der Laderaum schon gekühlt und bis unters Dach mit Fischen gefüllt ist. Der Lastwagen fährt Richtung Mittelmeer. Wieso der Transporter Fische an das Meer bringt, ist zwar nicht logisch, aber im weltweiten Warentransport hat sich die Logik und die Vernunft schon lange verabschiedet. Am Hafen angekommen, entdecken sie ein Antarktisexpeditionsschiff, schnell watscheln sie unbemerkt auf das Schiff. Bei der Fahrt fragen sich die Pinguine, wieso auf einem Schiff in die unwirtlichste Gegend der Erde Luxuskabinen und üppige Buffets notwendig sind. Als blinde Passagiere müssen sie sich mit den Essensresten aus der Küche begnügen. Eines Tages gab es einen fürchterlichen Sturm und das Schiff sank. Alle Passagiere kamen ums Leben. Die beiden Pinguine konnten sich auf das nahe Packeis retten.
Moral der Geschichte: Auch blinde Passagiere können einmal Glück haben.
Montag, 13. Dezember 2021
Weihnachtsmärkte auf Rastplätzen
Der bekannte Experte Professor Dr. hc. Marcus Irontor hatte einen vernichtenden Bericht über die Qualität der Verpflegungsstände auf Rastplätzen der Schweizer Nationalstrassen verfasst. Darin kritisiert Marcus Irontor die halb zerfallenen, fetttriefenden Bruchbuden, bei deren Anblick jeder Vegetarier innert Sekunden in Ohnmacht fallen muss. Die Publikation des Berichtes führte zu riesigen Protesten, es ging so weit, dass sich jeden Freitag eine grosse Anzahl von Demonstranten unter dem Motto „Friday for future food“ auf den Rastplätzen versammelte. Die Demonstrationen richteten sich gegen den klimaschädlichen Fleischausstoss, und sie forderten fleischlose Wurststände bis 2030.
Auf Druck dieser Proteste sah sich das ASTRA gezwungen, die kulinarischen Angebote zu überdenken. Dazu schrieb es die Verpflegung auf sämtlichen Rastplätzen nach dem internationalen Verfahren der World Trade Organisation, kurz WTO genannt, aus. Den Wettbewerb hat nun die global agierende Gesellschaft «Christmas Funny Markets» des chinesischen Grossinvestors Bling Bling gewonnen. Vor allem das Angebot der Weihnachtsmärkte der chinesischen Gesellschaft überzeugte das Evaluationsteam sehr.
Mittlerweile ist in jeder noch so unbedeutenden Vorortsgemeinde ein Weihnachtsmarkt mit überzuckerten Zimtsternen, dem Gestank von verbrannten Mandeln und den immer gleichen Weihnachtsliedern aus den Boxen entstanden. Eigentlich gehören die Christkindlesmärkte, wie sie original heissen, in die historischen deutschen Städte. Aber irgendwie wollen die Schweizer auch auf heimischen Weihnachtsmärkten mit gestrecktem Glühwein in der Hand herumfrieren.
Nachdem im letzten Jahr keine Weihnachtsmärkte stattfinden konnten, haben sie dieses Jahr die Auflage, mit Schutzkonzepten grosse Menschenansammlungen zu vermeiden. Vor dieser Ausgangslage bieten sich nun die vielen Rastplätze als neue Standorte für Weihnachtsmärkte an. Als Parkplatz kann der Pannenstreifen gratis genutzt werden. Und so plant die Gesellschaft «Christmas Funny Markets» auf 365 Rastplätzen Weihnachtsmärkte aufzustellen. Wer jetzt bedauert, dass es dann auf diesen Märkten überall die gleichen billigen chinesischen Waren zu kaufen gibt, dem sei gesagt, dass man auf den heutigen Märkten in den Vorortsgemeinden an jedem dritten Stand die gleichen Kerzen, Weihnachtskugeln und Wollsocken angeboten bekommt.
Dass die Romantik auf den Rastplätzen etwas darunter leidet, wird wohl niemand merken – der schlechte Glühwein vernebelt eben doch die Sinne.
Samstag, 13. November 2021
Siebenstöckige Autobahn
Im vorletzten Sommer war ein Artikel mit dem Titel «Bund prüft doppelstöckige Autobahn» in der Zeitung zu lesen. Im Artikel wurde diese neue Idee als Lösung für die Verkehrsprobleme gepriesen. Doch mehrstöckige Autobahnen, bei engen Platzverhältnissen und im urbanen Raum, sind nicht neu. Schon der Architekt Le Corbusier hatte seine städtebaulichen Visionen mit mehrstöckigen Autobahnen auf dem
Dach von Häusern skizziert. Dass diese Idee nicht in jedem Fall gut kommt, musste das ASTRA im 2004 erbauten Tunnel Altendorf erfahren. Der seinerzeitige Bauherr in der Gestalt des Gemeindepräsidenten von Altendorf beauftragte einen Generalunternehmer mit der Erstellung des 550 Meter langen Tunnels, um anschliessend gewinnbringend den
Boden auf dem Tunnel mit Wohnhäusern zu überbauen. 12 Jahre später wurden die Bewohner dieser Häuser eines nachts durch einen ohrenbetäubenden Lärm aus dem Bett gerissen. Kurze Zeit darauf suchten die Bewohner im Nachthemd mit Taschenlampen bewaffnet nach der nächtlichen Lärmquelle. Nachdem man in den Häusern keine Lärmquelle ausmachen konnte, kam ein findiger Bewohner auf die Idee, dass dies aus
dem Tunnel kommen könnte. Tatsächlich bohrten unzählige Arbeiter auf Hebebühnen Löcher in die Tunneldecke, um eine neue Beleuchtung zu montieren. Da man seinerzeit aus Spargründen die Schallisolationen «vergessen» hatte, wurde der Bohrlärm vom Tunnel ungehindert in die Schlafzimmer übertragen. Anderntags gab es dann ein Riesendrama. Nur mit gutem Zureden, der Abgabe von starken Schlafmitteln und einem Grittibänz für jeden Anwohner konnte der Ersatz der Tunnelbeleuchtung zu Ende geführt werden.
Damit es bei zukünftigen mehrstöckigen Autobahnen besser läuft, haben einige Fachingenieurinnen und -ingenieure des ASTRA bei einem Feierabendbier ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, und ein klares Anforderungsprofil definiert:
- Im dritten Untergeschoss der mehrstöckigen Autobahn wird die Entwässerung mit den Regenrückhaltebecken und den Strassenabwasserbehandlungsanlagen platziert.
- Im Werkleitungsgeschoss sind alle 380kV-, 220kV-, 110kV-Elektroleitungen, Gasleitungen, Glasfaserleitungen angeordnet.
- Das erste Untergeschoss dient als Servicetunnel für den Unterhaltsdienst.
- Das Erdgeschoss enthält die erste Fahrbahnebene in die eine Richtung.
- Das erste Obergeschoss ist die zweite Fahrbahnebene in die andere Richtung.
- Das zweite Obergeschoss dient den E-Bikes, Kickboards, Scooter, E-Kinderwagen und Joggern als „Langsamverkehrsebene“.
- Das letzte Obergeschoss ist für Grünflächen mit Erholungszonen und
Wildtierüberführung vorgesehen.
Nach dem etwas überbordenden Feierabendbier merkte man anderntags wieder nüchtern, dass die siebenstöckige Autobahn schlussendlich ein 35 Meter hohes Monsterbauwerk werden würde.
Aber eigentlich hätte man sich nur an Le Corbusiers Philosophie erinnern
müssen. Seine Bauten waren immer dominant und er hielt mit seinem technokratischen Ansatz nicht viel von Landschaftsschutz.














