Seit Jahren beklagen sich die Wanderer, dass ihnen die Mountainbiker „ihre“ Wege versperren und sie beim vorbei flitzen in Angst und Schrecken versetzen. Im Gegenzug ärgern sich die Velofahrer, dass die Wanderer immer die ganze Breite des Weges in Anspruch nehmen und keinen Platz machen.
Das gleiche Bild zeigt sich in den Agglomerationen, nur kommen dort noch die E-Bikes, Inlineskater, E-Scooter und Kinderwagen dazu. Auf besonders attraktiven Wegen mussten die Gemeinden mit Markierungen und Verboten die verschiedenen „Verkehrsträger“ voneinander trennen. Denn die Polizei musste schon mehrmals ausrücken, um handgreifliche Streitereien unter den Freizeitaktivisten zu schlichten. In den Städten ist es noch schlimmer, dort streiten sich die Velopendler, die Freizeitvelofahrer, die E-Cargobikes und die Velokuriere mit den übrigen Verkehrsteilnehmern um den knappen Strassenraum.
Doch das ist alles gar nichts gegen die jetzige ausserordentliche Lage. Weil alle Freizeiteinrichtungen geschlossen sind, hat jeder, der zuhinterst in der Ecke des verstaubten Kellers noch ein Velo gefunden hat, dieses fahrtüchtig gemacht. Das Resultat von dieser Revitalisierungsübung ist ein noch grösseres Chaos auf den Fuss- und Velowegen. Um diese Situation zu entschärfen, hat der Bundesrat gestützt auf den im September 2019 angenommen Velo-Verfassungsartikel mit einer Notverordnung die Benutzung des Pannenstreifens auf den Autobahnen für den Veloverkehr freigegeben. Es gilt jedoch eine Mindestgeschwindigkeit von 35 km/h für Velo ohne Hilfsantrieb und 50 km/h für E-Bikes. Und ja, man braucht natürlich eine Autobahnvignette.
P.S Die neue Regelung kommt für einen Velorennfahrer, der im September 2018 das Gefühl hatte, dass die Autobahnen auch für Velos offen stünden, etwas zu spät. Unbeirrt fuhr er durch den drei Kilometer langen Gubristtunnel und verursachte ein regelrechtes Verkehrschaos. Als er von der Polizei angehalten wurde, meinte er zu seiner Verteidigung, dass ihn das Navigationsgerät über die Autobahn gelotst habe.
https://www.blick.ch/news/schweiz/mittelland/ueberwachungskamera-haelt-szene-auf-a1-fest-navi-fuehrt-velofahrer-in-den-gubrist-tunnel-id15420785.html
Satirische Verehrsmeldungen von Nationalstrassen, Autobahnen und sonstigen Strassen
Donnerstag, 21. Mai 2020
Sonntag, 19. April 2020
Das Internet verstopft die Strassen
Als ich vor vier Jahren angefangen habe Kolumnen zu schreiben, hatte ich zwischendurch Angst nicht jeden Monat eine fertige Kolumne abliefern zu können. In der Zwischenzeit konnte ich eine kleine eiserne Reserve an Geschichten anlegen, dazu habe ich noch einige halbfertige Kolumnen wo z.b der witzige Schluss oder der Anfang fehlen – ich warte noch auf die Eingebung. Und dann ist da noch mein dickes Notizbuch – ja richtiges Papier, mit hunderten von Ideen. „Das Internet verstopft die Strassen“ stand schon lange darin, aber irgendwie wollte die Geschichte nicht aufgehen. Jetzt mit der Coronakrise bekam diese Idee auf einmal eine tragische Wendung. Aber nicht im Sinn der verstopften sondern leeren Strassen.
Nach der Lektüre des Buches „Die Rückkehr der Diener“ wollte ich mich eigentlich über unsere dekadente westliche Gesellschaft lustig machen, die faul vom Sofa aus mit dem Handy allerlei Konsummüll über das Internet bestellt. Unsereins bevorzugt, noch die traditionellen Läden im Dorf, wo auch noch ein persönlicher Kontakt möglich ist, und man sich bei Problemen nicht mit einer Hotline in Shanghai herumschlagen muss, wenn man dann mal eine Verbindung bekommt.
Beim Lockdown war ich dann aber froh, konnte mein Getränkehändler immer noch fehlerfrei liefern. Er bot sogar das rare WC-Papier an, von dem ich natürlich Gebrauch machte. Mir ist schon bewusst, dass der zusätzliche Verkauf von WC-Papieren, das eingebrochene Geschäft mit den Restaurants und den Festanlässen in keiner Weise wett machen kann.
Auch zu Ostern war ich froh über den Onlineshop der Confiserie Sprüngli, um meinem Vater doch eine Freude zu machen. Sprüngli lieferte das prall gefüllte Osterei, wegen völliger Überlastung des Lieferdienstes einige Tage später als vereinbart, aber immer noch vor Ostern ab.
Das Schlimmste sind aber die Food-Lieferdienste. Wenn ich mir vorstellte eine lauwarme Pizza aus einem schlabbrigen Pappkarton zu essen, schauderte es mich. Anstatt der feine Geruch von Tomaten und Parmaschinken in der Nase zu haben, riecht man den töteligen Kartongeschmack. Aber wie heisst es so schön: „In der Not frisst der Teufel Fliegen“. Heute stapeln sich dutzende leere Pizzakartons auf meinem Balkon. Dazwischen kommt noch der Inder und der Vietnamese und liefert in Aluminium- und Sagexbehältern die Speisen ab – arme Kehrrichtsackgebühren.
Ganz aufgeben muss ich aber meinen ursprünglichen Kolumnentitel doch nicht. Von meinem Homeoffice kann ich nämlich all die Lieferdienste gut beobachten. Auf der kleinen Quartierstrasse herrscht ein ungewöhnlich reger Verkehr mit Lieferwagen und Kleinstwagen. Die Post fährt dreimal täglich vor um die Paketflut bewältigen zu können. Sie kreuzt sich mit den Lieferwagen von DHL, DPD, UPS, coop@home, Pizzakurieren, ja und meinem Getränkehändler. So gesehen verstopft eben das Internet doch die Strassen!
P.S. Das ASTRA wird ende April die Pannenstreifenumnutzung auf der A1 zwischen Ohringen-Oberwinterthur in Betrieb nehmen. Das grösste Problem des Projektteams ist, dass in Folge der Coronakrise der Stau auf der Autobahn fehlen wird und somit die automatische Freigabe des Pannenstreifens bei Verkehrsüberlastung nicht getestet werden kann. So gesehen ist das System im Moment für die Katze.
Freitag, 6. März 2020
Die vergoldeten Strassen
Immer wieder hört man den Spruch «Ihr vergoldet ja die Strassen». Dass dieselben Personen sich dann bitterlich über die schlecht oder gar nicht ausgeleuchteten Tunnels in Italien beklagen, zeugt nicht gerade von konsequenter Haltung – sparen hat eben seinen Preis.
Obwohl der Spruch «Ihr vergoldet ja die Strassen» von der nicht sehr geistreichen Stammtischkonversation stammt, hat er eine durchaus wahre Komponente. Denn vor allem in den Tunnels sind in der Tat die Stecker- und Relaiskontakte der elektrischen Anlagen vergoldet. Wobei der Anteil Gold so klein ist, dass sich ein Goldschürfen nicht wirklich lohnt. Neben Gold sind auch Silber und Seltene Erden (Europium, Gadolinium, Dysprosium, Erbium) in den Anlagen verbaut. Obwohl letztere extrem teuer sind, haben sie auf die Beschaffungskosten der gesamten Anlage einen vernachlässigbaren Einfluss, weil sie in sehr kleinen Mengen eingesetzt werden.
Aber eigentlich müsste der Spruch «Ihr verkupfert ja die Autobahnen» heissen. In einem 500 Meter langen Tunnel sind nämlich etwa 30 km Kabel verlegt, und dann nicht so «Spielzeugkabel», wie wir sie aus dem Wohnbereich kennen, sondern anständige Kabel mit grossen Querschnitten – und viel Kupfer.
Ein solch «fettes» Kabel wurde anlässlich einer Sanierung aus einem 5,7 km langen Tunnel entfernt. Auftragsgemäss hatte der Unternehmer das Kabel aus dem Rohr ausgezogen und zur Entsorgung in einer Mulde im Autobahn-Werkhof deponiert.
Da in der Altmetallmulde über das Jahr gesehen normalerweise nicht viel Material zusammen kam, wurde der Erlös jeweils der Kaffeekasse gutgeschrieben. So geschah das auch mit dem fast 6000 Meter langen Kabel. Als dann die Abrechnung vom Altmetallhändler kam, wurde es den Werkhofmitarbeitern aber doch etwas mulmig. Das Kabel brachte einen Erlös von 65‘000 Franken. Jetzt hatte man natürlich ein kleines Problem. Die Kaffeekasse war für 65’000 Franken nämlich viel zu klein – da war guter Rat teuer. Die Anschaffung einer neuen Kaffeekasse war nicht möglich, weil diese erstens nicht budgetiert war und zweitens der Kanton gerade ein grosses Sparprogramm in der Umsetzung hatte. Schlussendlich wurde der Betrag ganz sauber der Staatskasse gutgeschrieben. Die Kaffeekasse erhielt einen kleinen Beitrag als Anerkennung des korrekten Verhaltens.
Montag, 23. Dezember 2019
Wunschliste zu Weihnachten
Am 01.01.2020 schenken die Kantone dem Bund 400 km Strassen. Doch unter dem Geschenkpapier versteckt sich noch eine Wunschliste mit nicht ganz billigen Ausbauprojekten: Collegamento stradale N2-N13 zwischen Bellinzona und Locarno für 1.5 Mia Franken oder die Zürcher Oberlandautobahn N53 zwischen Uster und Hinwil für 1.5 Mia oder die Umfahrung Näfels für 430 Mio oder die Umfahrung Herisau für 500 Mio oder die Bodensee-Thurtal-Strasse N23 zwischen Arbon und Müllheim-Bonau für 1.55 Mia oder der Hirzeltunnel N3-N4 zwischen Wädenswil und Walterswil für 275 Mio. Beim Lesen dieser interessanten Liste muss es ja jedem Finanzchef schlecht werden. Nun kann man einwenden, für das haben wir ja jetzt den NAF – schön wär’s, aber der reicht nicht mal für ein Projekt und die vollständige Wunschliste über die ganze Schweiz füllt mehrere Seiten. Da ist guter Rat teuer.
Mit dem Autofahrer ist ja über eine weitere Erhöhung der Autobahnvignette oder des Benzinzolles oder über die Einführung von Tunnelgebühren, von Brückenzöllen, Passzöllen oder einer Autoreifensteuer nicht zu reden. Auch bei der EU in Brüssel hat man für zusätzliche Transitgebühren gar kein Musikgehör. Und eine allfällige CO2-Steuer auf den Betrieb von Autos, wenn sie dann kommt, spült auch keine Gelder in die „verarmte“ Strassenkasse. Die Gefahr, dass die erbosten Autofahrer ihre Gilet jaune anziehen und alle Verkehrskreisel besetzen, ist ebenfalls virulent. Damit wären die legalen Mittel ausgeschöpft. Aus staatspolitischen Gründen verzichten wir an dieser Stelle darauf, durchaus interessante illegale Mittel zu erwähnen.
Wenn man also nicht bereit ist, mehr Geld locker zu machen, müssen die Promotoren dieser Ausbauprojekte halt wie die Kinder warten bis das Sparschwein genügend gefüllt ist. Alle Wünsche können eben nicht immer und sofort erfüllt werden – auch nicht an Weihnachten.
Dienstag, 3. Dezember 2019
Ferien auf Schnellladestationen
Man sieht sie überall die giftgrünen, überbreiten Parkplätze für das Laden von Elektrofahrzeugen, aber wo sind die Fahrzeuge dazu? Diese Parkplätze sind nämlich fast immer leer. Irgendwie wird man den Gedanken nicht los, dass die Politiker nach der freudestrahlenden und mit viel Brimborium abgehaltenen Eröffnung dieser Ladestationen vergessen haben, dass Batterie betriebene Autos auch zur Elektromobilität gehören. Ein Anlass für einen Feldversuch.
Zugegeben, die Reichweite des gemieteten Elektroautos von 140 km ist wohl eher geeignet für Fahrten, die knapp um den nächsten Häuserblock reichen. Für längere Touren wird das Laden zu einer Belastung, aber das ist die richtige Ausgangslage – ein Worst Case für das Schnellladestationen-Netz. Nachdem man mehrere Webseiten von Ladestationenbetreibern intensiv studiert hat, fünf Apps auf das Handy geladen, Ladekarten bestellt und sich mit Kreditkarten bewaffnet hat, konnte der Versuch starten. Nach der ersten Etappe stellte sich heraus, die Reiseplanung und die Wartezeiten werden zur Herausforderung und erinnern einen an die Zeiten von Pferdekutschen. Damit man zügig vorankam, mussten im 19. Jahrhundert alle 40 km die Pferde gewechselt werden. Heute müssen je nach Typ des Elektroautos die „Pferde“ sprich Batterien alle 140 bis 500 km geladen werden. Immerhin eine Verzehnfachung gegenüber der Belle Epoque. Der „Pferdewechsel“ geschieht heute praktisch mit RFID-Chipkarte, Handy-App, SMS, oder Kreditkarte, auf dem Lande gibt es sogar Gratisladen bei Privaten. Im 19. Jahrhundert waren die Pferdewechsel mit einer schönen Herberge und guter Verköstigung verbunden, bei Elektroautos befinden sich diese Ladestationen unter freiem Himmel im Nowhere. Einzig Elon Musk hat es mit seinem Tesla begriffen, dass es so etwas wie Reisekultur auch im 21. Jahrhundert noch geben muss. Die Tesla-Schnellladestationen gleichen nämlich Wellnessoasen. Es ist nicht einzusehen, wieso die klimaschädlichen Benzin- und Dieselautos unter einem schönen Dach betankt werden können, die Elektroautobesitzer dagegen im Regen geladen werden müssen. Besonders wenn man bedenkt, dass das Hantieren mit Benzin und Diesel im Regen gefahrlos erfolgen kann, wogegen das Einstecken eines 63 Ampere-Kabels, entspricht etwa drei Einfamilienhäusern, schon etwas problematischer ist.
Wer von den Vorteilen der Elektroautos noch nicht überzeugt ist, soll sich einmal den Clip von Howard Klein auf Youtube anschauen. Der Autoverkäufer Klein versucht, seine spritschluckenden Autos zu verkaufen, obwohl seine Kunden sich für effiziente Elektroautos interessieren. Howard Klein wird vom ehemaligen kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger gespielt. Der Clip ist eine ironische Werbung für Elektroautos.
Benzin- und Dieselautobesitzern, die bei dieser Story nur ein mitleidiges Lächeln für die Elektroautobesitzer übrighaben, die seien gewarnt. Passt auf, wenn die geballte Faust von Schwarzenegger zuschlägt.
P.S. In den nächsten Jahren finanziert das ASTRA auf 100 Rastplätzen Schnellladestationen, die durch fünf private Unternehmungen gebaut und betrieben werden.
Samstag, 12. Oktober 2019
Gratisparkplatz
“Am Anfang waren das Benzin und der Vergaser. Dann schuf Gott den Motor und die Karosserie, die Hupe und das Verkehrslicht. Dann betrachtete er sein Werk und sah, dass dies nicht genug war. Darum schuf er noch das Halteverbot und die Verkehrspolizisten. Und als dies alles geschaffen war, stieg Satan aus der Hölle empor und schuf die Parkplätze.“
Als der israelische Satiriker Ephraim Kishon 1985 diese Zeilen schrieb, gab es noch unzählige gebührenfreie öffentliche Parkplätze. Zumindest in den Städten sind diese paradiesischen Zeiten endgültig zu Ende. Doch es gibt immer noch Zeitgenossen, die glauben, ihnen stehe auch heute noch überall solch einen schönen Gratisparkplatz zur Verfügung. So erschien dann der Kundenparkplatz unseres Ingenieurbüros wie eine Geste der Barmherzigkeit, insbesondere da er meistens leer stand, und das in der Stadt Zürich. Leider wussten die illegalen Benutzer dieses Parkplatzes nicht, dass sich der Parkplatz ohne grosse Anstrengungen von unserem Pausenraum einsehen liess. Die fehlbaren Lenker wurden von uns umgehend beim Statthalteramt angezeigt, worauf sie ein saftiges Strafmandat erhielten und die Barmherzigkeit somit ein jähes Ende fand. Eigentlich hätten wir schlauer eine private Strafgebühr von 50 Franken erhoben und die Fehlbaren im Gegenzug nicht angezeigt. Das Geld hätten wir dann an einer ordentlichen Betriebsfeier auf den Kopf hauen können. Aber unsere Sekretärin bestand auf Gesetzestreue – auch ein Ansatz!
Beim besagten Ingenieurbüro war ich viel mit dem Geschäftsauto auf Nationalstrassen unterwegs. Für Aufnahmen und Inspektionen benutzte ich jeweils den Pannenstreifen als Parkplatz, damals noch ohne Sicherheitsmassnahmen. Heute ist das nur noch mit einem aufwändigen Sicherheitsdispositiv möglich – aber gratis ist der Parkplatz immer noch. Nun soll dieser Pannenstreifen für die Allgemeinheit freigegeben werden. Anfang des nächsten Jahres wird das ASTRA die erste Pannenstreifenumnutzung (PUN) in der Deutschschweiz in Betrieb nehmen. Auf der zweimal 3700 Meter langen Strecke gehen so quasi 1480 “Parkplätze” verloren. Bei einer ortsüblichen monatlichen Miete von 60 Franken würde das einen schönen Betrag von 1’065’600 Franken jährlich ausmachen. Wer also diese Entlastungsspur benutzt, muss im Sinne von Road Pricing in Zukunft eine Gebühr abliefern. Ob das alle gut finden sei dahingestellt, die Tatsache ist nur, wir sind nicht mehr in Zeiten von Ephraim Kishon.
Als der israelische Satiriker Ephraim Kishon 1985 diese Zeilen schrieb, gab es noch unzählige gebührenfreie öffentliche Parkplätze. Zumindest in den Städten sind diese paradiesischen Zeiten endgültig zu Ende. Doch es gibt immer noch Zeitgenossen, die glauben, ihnen stehe auch heute noch überall solch einen schönen Gratisparkplatz zur Verfügung. So erschien dann der Kundenparkplatz unseres Ingenieurbüros wie eine Geste der Barmherzigkeit, insbesondere da er meistens leer stand, und das in der Stadt Zürich. Leider wussten die illegalen Benutzer dieses Parkplatzes nicht, dass sich der Parkplatz ohne grosse Anstrengungen von unserem Pausenraum einsehen liess. Die fehlbaren Lenker wurden von uns umgehend beim Statthalteramt angezeigt, worauf sie ein saftiges Strafmandat erhielten und die Barmherzigkeit somit ein jähes Ende fand. Eigentlich hätten wir schlauer eine private Strafgebühr von 50 Franken erhoben und die Fehlbaren im Gegenzug nicht angezeigt. Das Geld hätten wir dann an einer ordentlichen Betriebsfeier auf den Kopf hauen können. Aber unsere Sekretärin bestand auf Gesetzestreue – auch ein Ansatz!
Beim besagten Ingenieurbüro war ich viel mit dem Geschäftsauto auf Nationalstrassen unterwegs. Für Aufnahmen und Inspektionen benutzte ich jeweils den Pannenstreifen als Parkplatz, damals noch ohne Sicherheitsmassnahmen. Heute ist das nur noch mit einem aufwändigen Sicherheitsdispositiv möglich – aber gratis ist der Parkplatz immer noch. Nun soll dieser Pannenstreifen für die Allgemeinheit freigegeben werden. Anfang des nächsten Jahres wird das ASTRA die erste Pannenstreifenumnutzung (PUN) in der Deutschschweiz in Betrieb nehmen. Auf der zweimal 3700 Meter langen Strecke gehen so quasi 1480 “Parkplätze” verloren. Bei einer ortsüblichen monatlichen Miete von 60 Franken würde das einen schönen Betrag von 1’065’600 Franken jährlich ausmachen. Wer also diese Entlastungsspur benutzt, muss im Sinne von Road Pricing in Zukunft eine Gebühr abliefern. Ob das alle gut finden sei dahingestellt, die Tatsache ist nur, wir sind nicht mehr in Zeiten von Ephraim Kishon.
Freitag, 16. August 2019
Switzerland first
Glaubt man den Leserbriefschreibern in den Zeitungen oder den destruktiven und meist blöden Kommentaren in den Social Media, muss es den Schweizern Autofahrern grauenhaft schlecht gehen. Kürzlich veröffentlichte die SVP Schweiz ein 36 seitiges Pamphlet, in dem sie die wachsende Abzockerei und die Schikanen gegen Autofahrer verurteilen. Die Schweizer Autofahrer seien die Bösewichte der Nation und werden von den linken Umweltmedien immer schlechtgemacht. Als Milchkühe werden sie durch ein inflationäres Bussenregime regelrecht abgezockt. Mit ein paar Beispielen lässt sich fehlerfrei beweisen, dass dem auch wirklich so ist.
Die Italiener sind wirklich arm dran. In vielen Städten stapelt sich der Kehricht auf den Strassen und es ist wohl nicht anzunehmen, dass sie das zur Verkehrsberuhigung machen. Am schlimmsten hat es Rom getroffen. Dort ist das Autofahren wegen den unzähligen Schlaglöchern mittlerweile lebensgefährlich geworden. Die Situation ist so dramatisch, dass die private Organisation „Tappami“ eingesprungen ist und bereits über 5000 Schlaglöcher mit Kaltasphalt in der Ewigen Stadt repariert hat. Wir in der Schweiz kennen das Wort Schlaglöcher nur vom Hören sagen oder aus der politischen Wahlwerbung.
Nach der Erhebung von GlobalPetrolPrices liegt der durchschnittliche Benzinpreis weltweit bei US$ 1.10. Am tiefsten ist der Preis in Venezuela mit US$ 0.01. Ob man wegen diesem Schnäppchenpreis den Wohnort wechseln will, muss angesichts der derzeitigen politischen Unruhen in diesem Land jeder selber entscheiden. Am Schluss der Liste steht das wirtschaftlich ruinierte Simbabwe mit US$ 3.34. Die kaufkraftstarke Schweiz liegt mit US$ 1.50 im unspektakulären Durchschnitt.
In Deutschland besteht auf Autobahnen kein Tempolimit – meistens! Denn auf mehr als 30% des Autobahnnetzes gilt aus Sicherheitsgründen heute schon eine Höchstgeschwindigkeit. Keine Höchstgeschwindigkeiten kennen weltweit nur noch Afghanistan, Bhutan, Burundi, Myanmar, Nepal, Libanon, Somalia, Haiti, Mauretanien und Nordkorea. Ehrlich gesagt, kann man sich schwerlich vorstellen, dass man in diesen Ländern mit 250 km/h über die Autobahnen Brettern kann. Und wohl kaum jemand will mit der Lebensqualität dieser Länder tauschen.
Wer den Arm des Gesetzes einmal so richtig hart spüren will, sollte Ferien in Frankreich machen. Nachdem die Gilet Jaune 75% der Verkehrsüberwachungsgeräte aus Wut zerstört haben, installierte der französische Staat 400 Tourelle (Türmchen). Diese Hightech-Geräte können neben der Geschwindigkeit auch nicht getragene Gurte, Telefonieren am Steuer und Rechtsüberholen feststellen – eine schöne Zukunft. Da herrscht in der Schweiz ja regelrecht ein Paradies. So steht im Kanton Aargau kein einziger fester Radarapparat auf der Strasse und auch im Kanton Schwyz kannte man bis vor einigen Jahren diese Geräte nicht.
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