Sonntag, 1. Dezember 2024

Ohne AKW kein Frühstücksei?

 

Seit Bundesrat Rösti der Schweizer Regierung einen Entscheid für die Aufhebung des Bauverbotes von Atomkraftwerken abgeluchst hat, ist der Teufel los. Anstatt sich mit realistischen Lösungen um die Energiekrise zu bemühen, werden Scheingefechte ausgetragen. Dabei werden auch Fakten verdreht. Die Blackout-Initiative will eine autarke Versorgung der Schweiz anstreben. Ein Atomkraftwerk ist dabei die dümmste und ungeeignetste Technologie. Denn nach einem Blackout verwandelt sich ein Atomkraftwerk in eine radioaktive Zeitbombe. Dies haben die vergangenen und drohenden AKW Katastrophen von Tschernobyl, Fukushima und Saporischja deutlich gezeigt. Zudem lässt sich ein AKW nicht ohne Stromnetz starten, ein sogenannter Schwarzstart ist nicht möglich. Und zu guter Letzt muss der Kernbrennstoff hauptsächlich aus Russland bezogen werden. Wer da noch von Autarkie spricht, muss schon leicht verstrahlt sein.

Nach all den Verneblungen muss es einen anderen Grund für Albert Röstis Initiative geben. Der wahre Grund: Herr Rösti hat panische Angst, dass er dereinst morgens nach einem Blackout mit seiner Frau in der dunklen Küche mit Wollsocken und Zipfelmütze sitzt und einen kalten Tee schlürft. Und zu allem Übel muss er seiner Frau erklären, wieso es heute kein Frühstücksei gibt.

Warum er sich da nicht an seinen Parteikollegen und Vor-Vorgänger wendet, wo beide doch aus der gleichen Heimatgemeinde stammen, ist schleierhaft. Adolf Ogi hatte nämlich während der Energiekrise in den 80er Jahren der Bevölkerung gezeigt, wie sie energiesparend Eier kochen kann. Seine Aktion am Schweizer Fernsehen wurde zwar belächelt, aber die Methode spart Energie und nicht wenig, wenn 9 Millionen Schweizer ihre Eier kochen. Anstelle auf Teufel komm raus neue Kraftwerke zu bauen, würde Rösti lieber am Fernsehen zeigen, welche andere Massnahmen es für das Sparen von Energie
gibt. Aber eben Energiesparen ist unsexy, etwas für Erbsenzähler und für Politiker gibt es keine grossen Lorbeeren zu holen. In der Atomkraftbranche winken grosse Gewinne, wieso diese auch eine milliardenschwere Lobby hat. Die Mehrkosten von Kraftwerkprojekten bezahlen jeweils die Bauherren, die Staaten und die Bevölkerung über den Strompreis. Darum ist auch kein Schweizer Stromkonzern bereit, ein AKW zu bauen.

Neben dem Betriebsrisiko ist auch die Endlagerfrage nicht geklärt. Die NAGRA liess kürzlich verlauten, dass der gewählte Endlager-Standort im Zürcher Weinland nur für die bisherigen Meiler reiche. Ja prost! So gesehen, müsste man den Zwang zum Energiesparen mit der Drohung untermalen, dass diejenigen, die zu viel Strom konsumieren, den Atomabfall in ihrem eigenen Garten vergraben müssen. Leider gibt es auch in der Schweiz genügend Spinner, die das auch tatsächlich machen würden.

P. S. Sollte es doch zu einem Blackout kommen, kann das ASTRA seinem Departementschef als Notlösung für sein Frühstücktee mit weichem Ei, etwa 800 Elektroräume von Tunnels anbieten. In diesen Räumen wird die Stromversorgung mindestens eine Stunde durch Batterien gewährleistet. Zugegeben, das Ambiente dieser Technikräume ist nicht gerade berauschend, aber gegenüber einer kalten und dunklen Küche immer noch besser.

Montag, 7. Oktober 2024

Vegane Autobahnbrücke


 „Über sieben Brücken musst du gehen“ ist ein Lied, dass in den 80er Jahren durch Peter Maffay eine grosse Bekanntheit erfuhr. Weniger bekannt ist, dass das Lied von der DDR Rockband Karat stammt. Da sich auf den Schweizer Nationalstrassen 4548 Brücken befinden, müsste man das Lied 649 mal singen. Das Lied handelt von einer unglücklichen Beziehung. Im Gegensatz zu Deutschland kann man in der Schweiz nicht von einer unglücklichen Liebe zwischen dem Bundesamt für Strassen und den Betonbrücken sprechen. Teilweise werden sie wegen ihrer Architektur sogar vergöttert. In Deutschland aber, sind die Brücken derart marode, dass sie vielfach nur noch abgebrochen werden können. Ausser sie stürzen nicht schon vorher von alleine ein, wie das bei der Carolabrücke in Dresden geschehen ist. Die Folge davon sind jahrelange Unterbrüche von Autobahnabschnitten und lange Umwegfahrten. Den Unterhalt hat man jahrelang wegen der Finanzierung der Deutschen Wiedervereinigung Ost-West vernachlässigt. Bezeichnenderweise handelt das Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“ von einer Ost-West-Liebesbeziehung.

Eine heute nicht unbedeutende Kleinigkeit trübt aber die Liebe zu Betonbrücken etwas. Die Herstellung von Beton ist nämlich mit einem immensen CO2-Ausstoss verbunden. Der dazu notwendige Zement muss in einem Ofen mit 1400 Grad erhitzt werden. Dabei werden auch Autoreifen und Klärschlamm verbrannt, eine sehr unschöne Sache. Da Brücken die höchsten statischen Anforderungen haben, ist es nicht leicht CO2 armen Beton einzusetzen. Doch immerhin sind die Brücken vegan! Ja klar, es werden keine tierischen Produkte darin verbaut. So steht es zumindest auf der Stütze einer Autobahnbrücke. Ob aber der Graffiti-Schriftzug „Go Vegan“ sich auf die Autobahnbrücke bezieht, muss doch stark bezweifelt werden... Doch eine Ausnahme gibt es: die Teufelsbrücke. Bei dieser Brücke in der Schöllenenschlucht musste ein Geissbock als Lohn für die Hilfe des Teufels sein Leben lassen. Würde man auch die Scope-2-Emissionen berücksichtigen, müsste man fragen, welches Pausenbrot die Arbeiter beim Bau von Brücken gegessen haben. Wenn sie in ein saftiges Schinken-Sandwich gebissen haben, wäre korrekterweise die CO2-Emission bei der Schweinefleischproduktion zu berücksichtigen. Und in Einzelfällen ist vielleicht auch eine Leiche von einem Gewaltverbrechen einbetoniert. Diese Fälle sind aber statistisch nicht erfasst und können somit unberücksichtigt bleiben.

Die Herkunft des Schriftzuges „Go Vegan“ könnte aus folgendem weiteren Liedtext von Peter Maffay abgeleitet werden: „Sieben mal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein, ooh.“ Der Graffiti-Sprayer war sicher ein bekiffter Demonstrant, der uns sagen wollte: „Hee, baut die Brücken endlich aus Gras“.

Samstag, 7. September 2024

800 Kühlschränke auf Autobahnen

Nun ist die Gluthitze in unseren Breitgraden bereits wieder am Ende. Zeit, um über die 30 Grad warmen Tage Bilanz zu ziehen. Viele werden sich über die zunehmende Anzahl von Klimaanlagen kaum Gedanken machen. Es gibt aber in unserem Land kaum Züge, Einkaufszentren oder Grossraumbüros, die nicht klimatisiert sind. Auch neue Busse und Autos sind mit diesem technischen Gerät ausgerüstet. Dass diese Anlagen eine Unmenge an Strom fressen, ist wohl den wenigsten bewusst. Störend ist im Zusammenhang mit diesen Kältemaschinen nur, dass die Temperatur in diesen Räumen der Art tief eingestellt ist, dass man bei längerem Aufenthalt eine Faserpelzjacke anziehen muss. Man kann auch getrost mit einem Softeis in einen Zug einsteigen, und muss nicht befürchten, dass einem das Eis in Sekunden den Arm herunterläuft, und den Boden versaut. Man wähnt sich regelrecht in einem fahrenden Kühlschrank.

Wie kalt es in den einzelnen Autos war, wollen wir jetzt nicht im Detail wissen, sonst beginnt wieder das Geschrei von Ökoterror, Polizeistaat, Überwachungswahnsinn und was es sonst noch für üble Ausdrücke gibt. Auch Wohnungen werden zunehmend mit Klimaanlagen ausgerüstet.
In einem Land mit hoher Kaufkraft ist der Trend zu einer zunehmenden Klimatisierung hin sicher dem steigenden Komfortbedürfnis zuzuschreiben, andererseits nehmen die Durchschnittstemperaturen im Zuge der Klimaerwärmung ebenfalls zu.

Anstatt sich für die nächste Saison im Sommerschlussverkauf ein Klimagerät anzuschaffen, wären vielleicht Alternativen ins Auge zu fassen. Für Weinliebhaber würde sich ein mehrwöchiger Aufenthalt im Weinkeller bei 18 Grad anbieten. Wem das etwas zu trist und beengend ist, müsste vielleicht auf weitläufige bergmännisch erstellte Elektrozentralen in Strassentunnel ausweichen. Hier kann sogar eine konstante Temperatur von 12 Grad angeboten werden. Aber Achtung, bei Tunnels mit einer grossen Überdeckung, wie z.B. dem Gotthardstrassentunnel, muss wegen der Erdwärme mit 35 Grad gerechnet werden. Für die ganz Sparsamen kann das Bundesamt für Strassen ASTRA schweizweit auch 800 Elektroräume ausserhalb von Tunnels anbieten. Wegen den elektronischen Steuerungen sind diese auf durchschnittlich 26 Grad gekühlt. Gegenüber 32 Grad scheint das immer noch kühl. Interessenten melden sich gerne bei einen der 43 Autobahnwerkhöfe an. Wer wegen dem hohen Stromverbrauch trotzdem noch Bedenken hat, dem sei versichert, dass dazu nur erneuerbare Energie eingesetzt wird.

Dass Klimageräte auch für unsinnige Anwendungen eingesetzt werden, beweisen die Araber. Die bringen es zum Beispiel fertig, am Badestrand von Dubai direkt neben der Sonnenliege mobile Klimageräte aufzustellen. Gut, man kann zu bedenken geben, dass die Vereinigten Arabischen Emirate kein Energieproblem und unendlich Geld haben. Das Unschöne dabei ist, dass trotz langer Sonnenscheindauer 95% der elektrischen Energie in diesem Land mit Gas produziert wird.

P.S. Wer sich beruflich mit der Kühlung im Bereich der Nationalstrassen beschäftigt, dem sei die neue ASTRA Richtlinie 13009 Heizung-Lüftung-Klima zur Lektüre wärmstens (oder sagt man kältestens?) empfohlen.

Sonntag, 21. Juli 2024

Autobahn verschwunden!

 


Am Freitagabend, 21. Juni 2024, sind 200 Meter der vierspurigen Autobahn A13 zwischen
Lostallo und Mesocco verschwunden. Sie wurde weder Opfer eines Diebstahles noch als
Protestaktion von Klimaaktivisten entfernt. Könnte es jedoch die Rache der Moesa sein,
weil man ihr beim Autobahnbau in den 70-er Jahren das Flussbett gestohlen hat?

Nein, die Moesa führte die 20-fache Menge an Wasser als üblich und hat die Strasse
einfach weggeschwemmt. Einzig der Elektrokabelrohrblock auf der vom Fluss
abgewandten Seite überstand die Katastrophe. So waren weder die Glasfaserverbindung
der beiden Werkhöfe Thusis und Camorino noch weitere Transitverbindungen
unterbrochen. Nur mit etwas Glück waren keine Autos auf dem betroffenen Abschnitt, als
die Strasse verschwand. Als Mahnmal sah man in den Medienbildern über mehrere Tage
hinweg nur noch die Leitplanken, welche wie eine Wäscheleine über den Fluss hingen.

Abgesehen von den heroischen Taten des Bundesamtes für Strassen ASTRA, welches es
innert 14 Tagen geschafft hat, wenigstens zwei Spuren wieder zu öffnen, stellt sich eine
ganz andere Frage: Wie hätten sich autonom fahrende Fahrzeuge bei diesem Ereignis
verhalten? Also nur vorneweg: die weissen Randlinien waren ebenfalls verschwunden. Die
Spurführung der Wagen verschiedener Hersteller basiert genau auf diesen Leitlinien.
Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass diese hochintelligenten Autos
einfach stehen bleiben. Nur zur Erinnerung: Automatisiertes Fahren Level 5 heisst
Autonomes Fahren! Keine Person im Auto muss sich mit der Fahraufgabe befassen. Das
Fahrzeug übernimmt sämtliche Fahrfunktionen.

Also nehmen wir mal an, ein Kind sitzt auf dem Schulweg alleine in einem Level 5 Auto
und fährt von Lostallo nach Mesocco. Und nun? Soll das Kind die Fahraufgabe
übernehmen, weil das dumme Auto mit dieser Ausnahmesituation nicht zurechtkommt?
Die Fantasten von der Automobilindustrie und den IT-Firmen wollen ja in einem Level 5
keine Steuerrad mehr einbauen. Kreative Ideen sind also gefragt. Automatisierte Fahrzeug
mit eingebauten Wassersensoren, hätten die Situation sauber erfasst und das Auto in ein
Amphibienfahrzeug umgewandelt. Ob das angesichts der Wasserfluten (700 m3/h anstelle
von 35 m3/h) eine schlaue Idee wäre, mag angesichts der in den Medien gezeigten
Bildern, mit planlos herumschwimmenden Autos zu bezweifeln sein…
Schon eher müsste man sich an die Umwandlung in eine Flugauto überlegen. Nur die auf
Flugtaxis spezialisierten Unternehmen tun sich schwer mit serientauglichen Lösungen,
und haben deshalb immer wieder finanzielle Probleme. Zudem sind ihre Flugtaxis
superleicht, die auf Schweizer Strassen fahrenden Autos sind aber superschwer. Wie das
also technisch gehen soll, erschliesst sich einem nicht auf Anhieb.

Irgendwie fühlt man sich bei der ganzen Diskussion um das Automatisierte Fahren in die
Hochkonjunktur der Sience Fiction Filme der 70-er und 80-er Jahren zurückversetzt. Was
aus den verschiedenen Hirngespinsten geblieben ist, wissen wir ja.
Träumt weiter!

Dienstag, 18. Juni 2024

Autonummer ZH 999 999

 

Dass es zu viele Autos auf den Strassen hat, darüber ist man sich einig. Weniger einig ist man sich, wer jetzt verzichten muss, damit das System nicht kollabiert. In einzelnen Kantonen wird in den nächsten Jahren die Zahl der immatrikulierten Fahrzeuge die Grenze von 1'000'000 überschreiten. Anstatt zu überlegen, wie man die Anzahl Autos reduzieren könnte, wird krampfhaft versucht, sieben Ziffern auf das Nummernschild zu quetschen oder irgendwelche anderen akademischen Nummerierungssysteme herauszutüfteln. Doch das ist komplett der falsche Ansatz. Wenn schon ein neues Nummerierungssystem hermuss, sollte man doch die Chance nutzen, die Fahrzeuge selektionieren zu können. Dazu gäbe es verschiedene spannende Kriterien, z.B. wie wurde das Auto finanziert oder wie ist das Nutzungsverhalten. Mit einer «sprechenden» Nummer könnten dereinst Fahrverbote verhängt werden, wie sie für die Reduktion der Feinstaubbelastung in einzelnen Städten in der Vergangenheit immer wieder angewendet wurden. Hier nun schon mal ein Vorschlag dazu:
Erste Ziffer eine Neun: Das Auto ist auf Pump gekauft. Ist die zweite Ziffer auch eine Neun, erfolgte die Finanzierung mit einem Kleinkredit.

Erste Ziffer eine Acht: Die Gelder für die Anschaffung dieses Fahrzeuges stammen aus undurchsichtigen Quellen. Ist die zweite Ziffer eine Acht, wurde das Auto mit Drogengeldern erworben.

Erste Ziffer eine Sieben: Dies steht für einen SUV. Wenn das hunderttausendste Fahrzeug eingelöst ist, wird es ein regelrechtes Gerangel um die freien Nummern geben. Vielleicht muss man sich dereinst auf eine Warteliste setzen, wie das in den Oststaaten jahrelang der Fall war oder wie es auch für Bootsplätze in den meisten Schweizer Seen immer noch Realität ist.

Erster Ziffer eine Sechs: Sechser im Lotto. Das Auto ist mit einem Lottogewinn finanziert worden.

Erste Ziffer eine Fünf: Hier sind Vorschläge hoch willkommen.

Erste Ziffer eine Vier: Das Auto wurde von lebenden und toten Verwandten finanziert.

Erste Ziffer eine Drei: Es handelt sich um einen Drittwagen.

Erste Ziffer eine Zwei: Es handelt sich um einen Zweitwagen.

Erste Ziffer eine Eins: Das Auto wird nur einmal im Jahr für den Transport der Geranienkisten der Schwiegereltern gebraucht.

Die Verkehrsmeldungen könnten in Zukunft dann etwa so lauten: «Stau auf der Autobahn A1 zwischen Kirchberg und Verzweigung Schönbühl. Die besagte Strecke darf nur von Fahrzeugen mit der ersten Ziffer des Kennzeichens Eins, Vier und Sechs befahren werden.»

Sonntag, 28. April 2024

Not-Schnellladestationen

 


Für die Dekarbonisierung der Fahrzeugflotte braucht es dringend zusätzliche Ladestationen. Besonders im öffentlichen Raum, wie z.B. in Miet- und Geschäftsliegenschaften, mangelt es an Ladepunkten. Der Nationalrat hat darum einen Kreditrahmen von CHF 120 Millionen für die Unterstützung von Ladestationen in Mietliegenschaften ins CO2-Gesetz aufgenommen.

Auf Nationalstrassen hat das Bundesamt für Strassen begonnen, die selten benutzten SOS-Notrufsäulen mit einem Elektroschnelllademodul auszurüsten. Die orangen Notrufsäulen, die alle zwei Kilometer platziert sind, gaben amtsintern schon verschiedentlich Anlass zur Diskussion. Da heute fast alle ein Handy haben, werden diese SOS-Rufstellen nur ganz selten benutzt. Besonders im Tunnel wäre aber die Benutzung der Notruftelefone in den SOS-Nischen überlebenswichtig. Löst doch dort ein Anruf oder eine Entnahme des Feuerlöschers einen Alarm aus, aktiviert die Kameras an diesem Standort und schaltet die Warnsignalisation ein. Im Falle eines Handyanrufs ist eine Ortung des Hilfesuchenden nicht möglich und die automatische Alarmaufschaltung kann nicht erfolgen.

Über die Notwendigkeit für SOS-Rufstellen ausserhalb von Tunnels kann man sicher diskutieren. Mit dem Einbau von Schnellladestationen werden diese Rufstellen nun eine neue Bestimmung erhalten. Wer mit seinem Elektroauto unterwegs ist, und auf einmal merkt, dass die Batterien nahezu leer sind, kann nun ganz beruhigt an die nächste Notrufsäule fahren. Nach einem Anruf bei der Polizei über die eingebaute Sprechplatte, wird diese die Säule für den Ladevorgang freischalten. Im Ständer der Notrufsäule befindet sich schon heute ein Türchen, dieses öffnet sich nun nach der Freischaltung und ein Ladekabel kommt zum Vorschein. Damit eine Schnellladung möglich ist, werden die Säulen mit einem Solarpanel und einer Batterie ausgerüstet.

Da die Umrüstung der grossen Anzahl Notrufsäulen nicht ganz billig ist, fallen entsprechend hohe Strombezugskosten an. Diese werden direkt der Kreditkarte des Anrufenden belastet, die man vor der Freischaltung der Polizei angeben muss. Falls der Pannenstreifen als Fahrspur benutzt wird, kann die Säule aus Sicherheitsgründen natürlich nicht benutzt werden.

P.S. Zugegeben, nur Techniker*innen haben gemerkt, dass diese Geschichte ein völliger Unsinn und technisch gar nicht realisierbar ist. Es muss sich niemand schämen, der jetzt auf diesen Schwachsinn hereingefallen ist. Es zeigt aber, wie wichtig es ist, dass seriöse Medien mit gut recherchierten Informationen die Bevölkerung informiert.

Samstag, 23. März 2024

Tunnelzentrale mit Seeanstoss

 

Die Älteren werden die Walenseeautobahn noch als Qualenseeautobahn kennen. Während
der Wintersaison kam es regelmässig zu massiven Staus, weil die Strecke nur zweispurig
war und durch die Dörfer führte. Erst mit dem Bau des Kerenzerbergtunnels beruhigte
sich die Situation. Aber dafür wurde es auch in der ehemaligen Raststätte, zwischen
Murg und Weesen, die für Poulet im Chörbli berühmt war, ruhig - zu ruhig. In der Hochblüte
fand man beim Mövenpick-Restaurant fast keinen Parkplatz. So kennen viele das Restaurant
direkt am Walensee nur vom Vorbeifahren. Über das, sich mittlerweile im Privatbesitz
befindende, langsam verfallende Betongebäude, haben sich schon Viele gewundert,
was da eigentlich abgeht. Doch das ist eine andere brisante Geschichte, um die es
hier nicht geht. Sondern es geht um ein unscheinbares Betriebsgebäude ganz in der
Nähe.
Als in den Jahren 2004-2010 alle Elektrotechnischen Anlagen ersetzt werden mussten,
wurden in diesem Zuge sechs neue Elektrozentralen für die Tunnels zwischen Murg und
Weesen gebaut. Unmittelbar nach der Raststätte Walensee war die Elektrozentrale Standenhorn
direkt im See geplant. Also nicht eigentlich im See, sondern mit einer Pfahlbauweise
auf einer Landzunge. Es wäre die erste Tunnelzentrale mit einem Seeanstoss geworden.
Als das Amt für Umweltschutz des Kantons Glarus von diesem Projekt erfuhr, tobte
es. Das sei eine Verschandelung der Landschaft und eine Zerstörung der Ufervegetation.
Die beteiligten Ingenieure hegten durchaus Sympathie für den Natur- und Landschaftsschutz,
aber was bei diesem Projekt zerstört werden sollte, erschloss sich ihnen nicht
ganz. Die Ufervegetation war abgeschnitten und hatte keine Verbindung zu anderen Naturräumen,
zudem bestand der Uferabschnitt nur aus mickrigen Erlen und einem mit Sagex,
PET-Flaschen und anderem Müll bedeckten Boden. Landschaftlich war nach dem Bau
der Walenseeautobahn in den 60er Jahren direkt am Ufer zudem nichts mehr zu verbessern.
Da Ingenieure lieber bauen als streiten, entschied man sich für einen anderen Standort.
Auf der gegenüberliegenden Strassenseite fand man einen Platz zwischen Autobahn und
Felswand. Der neue Standort hatte zudem den grossen Vorteil, dass man über den Veloweg
das Material anliefern konnte. Beim alten Standort hätte man dazu jedes Mal eine Autobahnspur
sperren müssen, ein heute unvorstellbares Szenario. So muss man dem Leiter
des Amtes für Umweltschutz danken. Leider hatte er aber für den Natur- und Landschaftsschutz
nichts erreicht - sprich Ersatzmassnahmen. Heutige Berufskollegen sind da vifer
unterwegs. Und so wurde also nichts aus der ersten Tunnelzentrale samt Seeanstoss.
P.S. Da die Causa Café Walensee noch nicht zu Ende ist, wird diese vielleicht ein Thema
für eine spätere Kolumne sein.

Sonntag, 17. Dezember 2023

Neus Wellnessangebot auf Nationalstrassen


Wir stehen Mitten in der die diesjährigen Wellnesssaison und die Anbieter buhlen um die Gunst der Kundschaft. In den letzten Jahren hat auch das hinterste und letzte Hotel eine Sauna oder einen Whirlpool eingerichtet und da möchte natürlich das ASTRA nicht hintenanstehen. Zwar kann das ASTRA ausser ein paar feuchten und quietschenden Betten in Gefängniszellen von Autobahnwerkhöfen keine Unterkünfte anbieten, aber für ein Tages-Spa-Erlebnis hätte wir doch einiges zu bieten. Denn in den 800 Elektrotunnelzentralen, die wegen der Steuerungselektronik dauernd gekühlt werden müssen, fallen nämlich durchschnittlich je 10 kW Abwärme an. Diese Energie reicht
längstens aus, um mehrere Whirlpools auf angenehme 38 Grad zu heizen. Doch stehen diese Zentralen naturgemäss aufgrund des Autobahnlärms und Staubs nicht gerade an attraktiver Lage. Für das Aufstellen eines Whirlpools reicht es aber trotzdem, denn vor lauter Wasserdampf nimmt man die Nationalstrasse gar nicht mehr wahr. Da die meisten Dächer der Zentralen mit Kies eingedeckt sind, kann auch eine exklusive Hotstone-Therapie angeboten werden. Durch die Nutzung der Abwärme kann das ASTRA auch einen attraktiven Eintrittspreis anbieten.

Aber als eigentlicher Hotspot können die Wellness-Zentralen Göschenen und Airolo empfohlen werden. Dort werden in Zukunft je 400 kW Abwärme aus den unterirdischen Elektrozentralen des Gotthard-Strassentunnels anfallen. Im Zuge der Erstellung der zweiten Gotthardröhre werden diese beiden riesigen Wellnessoasen bei den entsprechenden Werkhöfen entstehen.

Des weiteren hat das ASTRA-Stromsparteam unzählige Elektroräume gefunden, die im Winter gut und gerne 27 Grad warm sind. Diese kleinen Räume könnten als Wärmekammern angeboten werden, gut, auch hier ist die Lage im Fundament einer Brücke nicht gerade attraktiv, aber dafür ist der WLAN-Empfang durch das interne Netzwerk sehr leistungsstark.

Sollte eine Strommangellage auftauchen, kann man unbesorgt sein, denn durch die unterbruchsfreie Stromversorgung kann die Wellnesszone trotz restriktiven Auflagen des Bundes weiter betrieben werden – wenigstens für eine Stunde, nachher sind die Batterien leer. Sollte jemand Bedenken betreffend des Stromverbrauchs haben, dem sei versichert, das ASTRA bezieht nur 100% «Wasserstrom Schweiz» und ein ganz kleiner Teil wird auch schon mit eigenen Photovoltaikanlagen produziert. Für eine grössere Unabhängigkeit prüft das ASTRA das Potential von Geothermie in Tunnels.

Wer das Angebot nun etwas dürftig findet, dem können wir die im Zuge der neuen Strategie zur Behandlung der Strassenabwässer erstellten Klärbecken anbieten. Diese Öl-Schlammbäder mit feinen Anteilen von Russpartikel, Pneuabrieb, Mikroplastik und Sand sind eine Wohltat für die Haut. Durch die riesigen Becken ergibt sich ein grosses Platzangebot. Auf dem Pannenstreifen stehen Gratisparkplätze zur Verfügung.

Die ASTRA Wellness Resorts von beeindruckender Eleganz und Schönheit warten auf Ihren Besuch und stehen Ihnen mit zusätzlichen Angeboten zur exklusiven Verfügung. Für Ihre kostbare Zeit bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Entspannung zu finden und effizient etwas für Ihre Gesundheit zu tun.

Sonntag, 10. September 2023

5-Stern Autobahn

Den Wenigsten wird bekannt sein, dass die Nationalstrassen in drei Klassen eingeteilt sind. Wobei diese Klassen nicht vergleichbar sind mit denen der Eisenbahnwagons. Die Nationalstrassen 1. Klasse sind zwar breiter, richtungsgetrennt und verfügen über min destens 4 Spuren. Die Fahrbahn ist aber nicht gepolstert wie die Sitze in der Nobelklasse der Bahn, dafür kostet die Benutzung wie bei den anderen
Nationalstrassenklassen läppische 40 Franken im Jahr.

Die Nationalstrassen 2. Klasse sind ebenfalls nur für Motorfahrzeuge zugänglich, das Kreuzen dieser Strassen kann aber höhengleich erfolgen. Die 3. Klasse bei der Eisenbahn, die bis 1956 bestand, wurde als Holzklasse bezeichnet. Die Holzklasse bei der Auto bahn ist für den gemischten Verkehr vorgesehen. Hier müssen die Autofahrer die Strasse mit Traktoren und Fahrrädern teilen, dafür sind sie „gratis“, d.h. nicht vignettenpflichtig.

Da nun heute anscheinend alle Dienstleistungen bewertet werden müssen, entschied die «Permanent International Association of Road Congresses (PIARC)» die Autobahnen weltweit nach einem einheitlichen Bewertungsschlüssel zu benoten. Es sollten aber nicht
die Strassenbenutzer auf Sozialen Plattformen analog von Tripadvisor oder Google eine Bewertung abgeben können, denn diese Kommentare entbehren jeder Seriosität und jedem Anstand. PIARC, auch bekannt als der Weltstrassenverband, hat sich ein erfahrenes Bewertungsgremium zur Seite gestellt, das aus einem verurteilten Fahrer mit Fahre rflucht oder einem Serien Gegenfahrer, einem Fahrer ohne Führerschein, einem zwei Monate alten Baby, Santa Barbara und dem Göttlichen Merkur besteht. Die
Bewertung erfolgte nach dem Hotelsterne System.

Den 1. Stern gibt es, wenn alle 5 km nur ein Schlagloch auftritt und Tunnels auch Notausgänge haben.

Den 2. Stern gibt es für Abschnitte, die keine Raststätte mit einem Fastfood Restaurant haben.

Der 3. Stern wird Abschnitten vergeben, bei denen pro Streckenkilometer jährlich nur 800 kg Abfall von den Stra ssenrändern eingesammelt werden muss.

Mit dem 4. Stern kann eine Autobahn rechnen, wenn nicht mehr als 60% der Streckenlänge die Sicht auf die Landschaft durch Lärmschutzwände verbaut oder 50% der Lärmschutzwände mit Photovoltaikanlagen belegt sind.

Den 5. und letzten Stern gibt es für eine während 24h garantierten Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Sollte dereinst autonomes Fahren möglich sein, könnte dem entsprechenden Streckenabschnitt der 6. Stern verliehen werden.

P.S. In der italienischen Übersetzung bekommt der Titel noch eine politische Komponente. Die Partei „Cinque Stelle“ aus Italien hat sich nach dem Einsturz der Morandibrücke in Genova mit seinem Regierungspartner gestritten. Sie wollte der privaten Autobahngesellschaft, resp. deren Hauptak tionär Benetton, die Konzession sofort entziehen. Auf alle Fälle hat die Autobahnbetreiberfirma Autostrada per l’Italia für ihre Unterhaltspolitik keine fünf Sterne verdient.

Sonntag, 13. August 2023

Das selbsthaltende Auto kommt

Moment, wir reden doch von selbstfahrenden Autos, oder wie es im Fachjargon heisst, dem «automatisierten Fahren». Ja eben, wir reden nur darüber, und das seit Jahren. Aber weit gebracht haben wir es nicht. Visionär Elon Musk hat zwar schon 2017 prognostiziert, dass wir in weniger als 2 Jahren autonom fahren werden. Heute haben wir 2023! Klar, es darf jeder Behauptungen aufstellen, aber das dann die halbe Welt diesen Typen noch glaubt, ist dann doch etwas schräg. In Amerika gibt es Autobesitzer, die Tesla verklagen, weil ihre teuren Schlitten immer noch nicht automatisiert fahren können. Würden diese Zeitgenossen den Verkaufsprospekt genauer lesen, als den vollmundigen Beteuerungen eines Firmenchefs in den Medien zuzuhören, könnten sie sich ihre Klage sparen.
Sicher macht es Sinn, die Machbarkeit durch Forschung und Pilotprojekte zu prüfen,
Strassenverkehrsgesetze an die neuen Herausforderungen anzupassen und den Diskurs in der Gesellschaft zu führen. Aber schlussendlich sollte man die Realität nicht aus den Augen verlieren und die sieht für Tesla wie folgt aus: 2400 Beschwerden über Selbstbeschleunigungen, mehr als 1500 Probleme mit Bremsfunktionen, darunter 139 Fälle von ungewollten Notbremsungen und 383 gemeldete Phantombremsungen infolge falscher Kollisionswarnungen. Die Zahl der Crashs liegt bei mehr als 1000.

Sicher sind das Angesichts der grossen Anzahl zurückgelegter Strassenkilometer tiefe Zahlen. Aber auch bei den Fahrassistenten sind die Ergebnisse nicht berauschend. Für Einzelne ist das Thema automatisiertes Fahren nach schlechten Erlebnissen mit Fahrassistenten sogar definitiv gelaufen. Selbst bei der Bahn, wo nur wenige geschulte Personen, sprich Lokomotivführer, auf der Schiene unterwegs sind, hat sich das automatisierte Fahren noch nicht durchgesetzt.  

Aber eine Funktion beim automatisierten Fahren müsste unbedingt in allen Autos
eingebaut werden; der Selbsthalte-Modus. Die Funktion liesse sich einfach ohne grosse
Tests programmieren. Der Modus käme nach Führerausweisentzug, nach Überfahren von
Rotlichtern und bei fehlender Autobahnvignette zum Einsatz. So wäre ohne einen gültigen
Führerausweis, der im Bordcomputer steckt, kein Wegfahren möglich. Es gibt auch
Kunden auf der Strasse, die erachten das Fahren vom Motorfahrzeugen als Menschenrecht. Einem Autofahrer ist dies sogar 9 Millionen Franken wert, weshalb er nach einem Führerausweisentzug den Staat auf eben diesen Betrag verklagen wollte. Mit dem Halteassistenten sollte niemand in Versuchung kommen, trotz Führerausweisentzug ein Fahrzeug zu lenken. Ab August gibt es die Autobahnvignette neu auf elektronischer Basis. Damit wird aber der Kontrollaufwand der Polizei nicht kleiner. Darum würde mit dem Halteassistenten bei der Einfahrt auf die Autobahn geprüft, ob im Fahrzeug eine gültige
Vignette hinterlegt ist. Wäre dies nicht der Fall, würde das Auto automatisch auf den Pannenstreifen gelenkt, angehalten und die Polizei informiert. Ein grosses Sicherheitsrisiko ist auch das Überfahren von Rotlichtern auf der Autobahn. Dass vor jedem Tunnel so eine Ampel existiert, ist den wenigsten bewusst. Entsprechend schlecht ist der Beachtungsgrad. Die roten Ampeln werden bei einem Ereignis, bei Unterhaltsarbeiten und bei Baustellen eingesetzt.

Die Digitalisierung im Automobilbau ist nicht aufzuhalten, aber nutzen wir sie doch für
sinnvolle Dinge.

Donnerstag, 15. Juni 2023

Autobahnvignette 1. Klasse


Wieder einmal ein Aufreger, die Bahnbillette der 1. Klasse sollen nur um 1.9 Prozent
erhöht werden, wo hingegen die der 2. Klassen um satte 4.8 Prozent steigen. Das sei eine klare Diskriminierung schallte es aus den Medien. Einzelne forderten sogar die Abschaffung der 1. Klasse. Da scheinen Einzelne den „Klassenkampf“ von Karl Marx hervorgenommen zu haben, um die Ungerechtigkeiten in dieser Welt abzuschaffen. Leider hat sich in fast allen Ländern ein Mehrklassensystem eingenistet. Selbst in
kommunistischen Staaten, die eigentlich die Lehre von Marx hochhalten, hat sich eine Oberschicht mit unverschämt reichen Leuten gebildet. Die Wenigsten stören sich, wenn man im Theater, in der Oper oder bei einem Musical für die besseren Plätze mehr bezahlen muss. Auch an gewissen Konzerten bekommt man für einen schönen Aufpreis ein VIP-Ticket. In den Skigebieten hat sich das Zweiklassensystem noch nicht so recht durchgesetzt. Nur bei der Weissen Arena in Flims-Laax erhält man für einen zusätzlichen Obolus eine Extra-Anstehlinie und ist so schneller auf dem Berg, um dann auf den überfüllten Pisten ins Tal zu rutschen.  

Mit Fug und Recht kann man sich nun fragen, wieso denn auf der Strasse kein Zweiklassensystem gilt. Denn auch die Strasse hat ein Kapazitätsproblem, so konzentriert sich der Berufsverkehr auf wenige Stunden am Tag, und auch der Freizeitverkehr läuft gelinde gesagt, nicht optimal. An den letzten Ostertagen erreichte der Stau am Gotthard eine Länge von bis zu 22 Kilometer, was bei einzelnen Autofahrern das Blut zum Kochen brachte. Gut, daran waren vielleicht auch die Klimaaktivisten schuld, die sich auf die Autobahn klebten. Nach diesem Monsterstauwochenende schossen die Ideen nur so in die Höhe, wie das Problem zu lösen sei. Der Urner Landrat verabschiedete einstimmig eine Standesinitiative, die ein Ticketsystem verlangt. Von Grünliberaler Seite kam die Idee einer zeitabhängigen Maut. Ohne jetzt den Klassenkampf befeuern zu wollen, hätte aber die Einführung einer Autobahnvignette 1. Klasse doch etwas mehr Charme. Denn den 1. Klasse-Autofahrern würde natürlich auch mehr geboten. Beim Gotthard würde das bedeuten, dass nur sie die Überholspur benutzen dürften und so Vorfahrt hätten. Die 2. Klasse-Autofahrer müssten dann halt in der Kolonne stehen. Um das CO2-Reduktionsziel noch in dieses System hineinzupacken, könnte die Höchstgeschwindigkeit bei der 2. Klassevignette z.B. auf 100 km/h begrenzt werden, wo hingegen mit der 1. Klassevignette nach wie vor 120 km/h erlaubt wäre. Weitere Goodies wären noch zu überlegen.

Montag, 15. Mai 2023

Der Zoo auf der Nationalstrasse


Tiere sind auf der Nationalstrasse nicht immer sehr beliebt, das ist den Fröschen, Schlangen, Hirschen und Greifvögeln aber relativ egal. Sie finden hier teilweise für sie günstige Habitate und in der heutigen Zeit muss man eben nehmen, was man bekommt. Die Tiere merken halt nicht, dass die Strassen eigentlich einen anderen Bestimmungszweck haben. Als Autofahrer bekommt man diese Tiere nur selten zu Gesicht, darum hier eine k leine Zooführung auf der Nationalstrasse.

Die orangen SOS Alarmkasten vor den Tunnels dienen eigentlich der Alarmierung der Polizei oder zum Löschen eines Brandes mithilfe der darin aufbewahrten Feuerlöscher. Bei der Bauabnahme staunten die Ingenieure nicht schlecht, als sie ein Nest eines Siebenschläfers fanden. Obwohl alle Öffnungen für die Kabel sauber verschlossen waren, schaffte er es anscheinend die Gummiabdichtung zu entfernen, um sich Zugang zum trockenen und immer schön warmen Inneren des Kastens zu verschaffen. Als Nistmaterial hat er das Elektroschema vollständig in kleine Papierfetzen zerteilt. Bei der Bauabnahme war der ungebetene Gast mit seinem Nachwuchs schon ausgezogen, natürlich ohne das Mietobjekt sauber zu hinterlassen.

In einem Tunnel wurde durch eine Kamera immer wieder ein Falschfahrer detektiert. Die Auswertung der Bilder zeigte aber, dass nie ein Auto in die falsche Richtung gefahren war. Als sich die Fehlermeldungen häuften, überprüften Techniker die Anlage im Tunnel. Sofort war klar, wer der Übeltäter war. Eine dicke fette Spinne hatte ihr Netz vor dem Kameraobjektiv aufgespannt. Jedes Mal, wenn sie von oben nach unten lief, wurde fehlerfrei ein Falschfahrer detektiert.

Beim Betreten der Elektrozentrale des Kerenzerbergtunnel staunt man nicht schlecht. Neben dem Eingang ist ein Teich mit gut genährten Fischen zu finden. Die Fische werden jeweils vor Ostern unter den Werkhofmitarbeitern verkauft. Das Tiefbauamt betreibt hier aber keine Fischzuchtanlage. Da das Löschwasserbecken auch für die Trinkwasser Versorgung des nahen Campingplatzes dient, sind die Fische für die Kontrolle der Wasserqualität vorgesehen. 

Nicht alle Tiere vertragen den Aufenthalt in einer Elektrozentrale sehr gut. Beliebte Aufenthaltsorte von Ratten sind Trafostationen. Dabei müssten die Ratten eigentlich wissen, dass der Aufenthalt in Hochspannungsanlagen nur für instruiertes Betriebspersonal gestattet ist. Ja, wer nicht lesen kann, muss fühlen. Immer wieder kommt es vor, dass sich Ratten Zugang zu Trafostationen verschaffen, um zu überwintern. Wenn sie nun beim Herumklettern gleichzeitig einen blanken Leiter und die Erde berühren, ist es um sie geschehen. An dieser Stelle gedenken wir allen Ratten, die in einer Trafostation gestorben sind.

Das Tiere auf Strassen Politikerinnen den Kopf kosten können, musste die Bürgermeisterin Virginia Raggi in Rom erleben. Im Wahlkampf lästerten Journalisten über „Raggis Zoo“ mit Anspielung auf die Staren --, Ratten und Möwenplagen in Rom. Der Höhepunkt waren dann die unzähligen Wildschweinfamilien, welche die nicht abgeführte Abfallberge auf biologische Weise entsorgten zumindest den essbaren Teil.

Freitag, 7. April 2023

Der Zauberkreisel

 

Seit Jahren bemühen sich die Verkehrsplaner, den Verkehrsfluss bei Kreuzungen in den Griff zu kriegen. Das Zauberwort heisst mal Lichtsignalanlage, mal Kreisel, dann Bypass, anschliessend interagierende und adaptive Verkehrsampeln, dann wieder Turbokreisel oder Doppelkreisel usw. und so fort. Doch immer ist es das falsche „Zauberwort“, denn nach kurzer Zeit bilden sich wieder lange Staus. Doch im Grunde müsste man sich an das Gedicht „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang Goethe erinnern:

„Walle! Walle
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Verkehre fliesse
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Kreisel sich ergiesse.“ 

„Seht, er fährt zum Kreisel nieder,
Wahrlich! Ist schon in dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Und in grossem Masse
Wie der Kreisel schwillt!
Wie sich jede Strasse
Voll mit Wagen füllt“

„Stehe! Stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! Wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Nein, nicht länger
kann ich’s lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! Nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! Welche Blicke!“

„Wollt ihr’s am Ende
gar nicht lassen?
Will euch fassen,
will euch halten
und das alte Blech behende
mit dem scharfen Beile spalten. 

Wehe! Wehe!
Denn die Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig im Verkehre!
Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!“

„Herr und Meister!
Hör mich rufen!
- Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist gross!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.“ 

„In die Ecke
Wagen! Wagen!
Seid's gefahren.
Denn als Geister
ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.“

Schlussendlich bleibt die bange Frage: Wo sind heute Herr und Meister für den Strassenverkehr? Ist es der Zauberer von Ittigen?


P.S. Ittigen ist der Hauptsitz des Bundesamtes für Strassen ASTRA.

 

 

 

 

Sonntag, 19. März 2023

Kalte Stube – warmes Auto


 

Die Strom- und Gasmangellage ist für fast alle eine Geschichte von gestern. Das mag für diesen Winter zutreffen, doch weder die Energiesparkampagne hat viel gebracht, noch sind neue Kraftwerke am Netz. Das Thema wird uns also auch in den nächsten Winter beschäftigen.

Irgendwie wiederholt sich die Geschichte. Im Corona-Jahr 2020 gab es zur Steigerung der Attraktivität der Gartenrestaurants einen Streit um die Heizpilze. Nun sind wir wieder in einem Winter, bei dem die Behörden, was die Heizungen betrifft, allenfalls unbeliebte Einschränkungen verhängen müssen. In den Büroräumen der Bundesverwaltung ist es schon mal kalt. Sollte der Rest des Winters noch kälter werden, könnte sich leicht eine Kaufhysterie bei Heizlüftern aus Angst um eine kalte Stube entwickeln. So gesehen müssten die Behörden eigentlich schon jetzt aktiv werden. Das Heizen mit Elektrowiderstands-heizungen, wie sie im Fachjargon heissen, ist erstens hochgradig unwirtschaftlich und ein verschwenderischer Umgang mit Energie, zweitens bringen viele mobile Heizgeräte das Energieversorgungssystem an den Rand eines Blackouts.

Angesicht der drohenden kalten Wohnung könnte manch ein Schlauberger auf die Idee kommen, während der Phase einer Stromnetzabschaltung in sein Auto zu sitzen, den Motor anzulassen und die Sitzheizung einzuschalten. Wer das Auto in einer grossen Tiefgarage geparkt hat, sollte aber beachten, dass sich das Garagentor nur mit elektrischem Strom öffnen lässt. Wer also vor der Netzabschaltung das Auto aus der Tiefgarage manövriert hat, könnte nun während der vier Stunden der Netzabschaltung im Quartier herumkurven. Das ist zwar ein lufthygienischer Unsinn und belästigt die Nachbarn, aber wenigstens hat man warm. Vor dieser Aufwärmtour sollte man aber den Tank füllen, denn die Tankstellen sind während der Netzabschaltung ausser Betrieb, weil die Benzinpumpe eben auch mit Strom läuft. Gut beraten ist darum derjenige, der ein paar Benzinkanister im Keller lagert.

Aber vielleicht ist es schlauer, der kalten Wohnung mit der inneren Wärme zu trotzen. Der Bundesrat müsste analog der japanischen Regierung bei einer Strommangellage die Bevölkerung dazu aufrufen, vermehrt Alkohol zu trinken. In Japan ist die Bevölkerung dazu aufgefordert mehr Sake zu trinken, wobei hier das Problem die rückläufigen Alkoholsteuereinnahmen sind und nicht etwa die kalte Stube. Obwohl die wenigsten einen Notvorrat angelegt haben, ist der eigene Weinkeller meist gut bestückt, geschweige denn die Hausbar, mit der man das ganze Wohnquartier in eine Alkoholvergiftung führen kann. Das sind ideale Voraussetzungen, sich in dieser Krisenlage wenigstens innerlich zu wärmen, da diesbezüglich keine Mangellage besteht.

P.S. Diese Geschichte ist mir nach dem Genuss von einer gan zen Flasche feinen Rotwein meines Winzers und der anschliessenden Einnahme von drei Gläsern Grappa in den Sinn gekommen. Den Reiswein sollen die Japaner selbst trinken.

Montag, 30. Januar 2023

Die Strassentunnels haben keine Lichtschalter


War das eine Aufregung als im Frühling/Sommer allen klar wurde, dass fast ganz Europa in eine regelrechte Strommangellage rasselt. Von allen Seiten kamen Vorschläge wie man diese drohende Krise abwenden könne. Diese reichten vom Anlegen eines Kerzen/Batterie-Notvorrats oder dem grosszügigen Einkauf von Cheminéeholz bis zu einer Sparkampagne des Bundes. In Deutschland entstand sogar eine Polemik über die Dauer des Duschens oder die Verwendung von Waschlappen für die Körperpflege. Auch die Politik in der Schweiz erwachte und verabschiedete in einem nie dagewesenen Tempo innert drei Wochen ein Gesetz, das die Winterstromproduktion massiv fördern soll. Dass dieses Gesetz für den Winter 2022/23 nichts nützt, war aber sofort klar. Zudem wurden Ersatzkraftwerke in Auftrag gegeben und Energiereserven in Speicherseen für 300 Millionen Franken eingekauft. Wenn das alles nichts nützt, kommen dann halt Kontingentierung, Rationierung oder Netzabschaltung zum Zuge. Dazu grub man uralte Krisenpläne aus, bei der die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (OSTRAL) die Bewältigung einer Strommangellage organisieren muss. Doch als man diese Pläne genauer anschaute, merkte man, dass das alles schöne Theorie ist und eigentlich niemand genau wusste, wie man die umsetzt.

In den Medien wurden einzelne Verbraucher, die bei einer Rationierung abgestellt werden müssten, publiziert. So las man, dass Rolltreppen, Saunas, Beschneiungsanlagen und Reklamebeleuchtungen wohl als Erste drankommen würden. Die offizielle Liste wurde dann im Dezember mit dem Entwurf der „Verordnung über Beschränkungen und Verbote der Verwendung elektrischer Energie“ veröffentlicht. Darin werden die Beschränkungen und Verbote von Bügeleisen, Wäschemangeln, Teller- und Tassenwärmern, Streaming-Diensten, Elektroautos, Heizpilzen, Sitzheizungen von Sesselliften, elektrischen Laubbläsern, Waschanlagen für Personenwagen, Mining von Kryptowährungen und vielem mehr aufgeführt.

Und bei Autobahntunnels was läuft da? Ja da kann man aus Gründen der Sicherheit und der Verfügbarkeit gar nichts sparen. Soweit die offizielle Version, in Tat und Wahrheit haben wir in den Tunnels einfach keine Lichtschalter um die Beleuchtung, die an 365 Tagen 24 Stunden brennt, abzuschalten.

Einige mögen nun einwenden, dass sich die Lage im Stromsektor beruhigt hat. Das mag für diesen Winter stimmen, weil die Gasspeicher am Anfang noch mit russischem Gas gefüllt werden konnten, viele der maroden französischen Atomkraftwerke in Betrieb genommen wurden, die Speicherseen wider Erwarten gefüllt werden konnten und mit der Sparkampagne der Verbrauch um 3.7% zurück ging. Da im nächsten Winter die Diskussionen weitergehen, würde es vielleicht Sinn machen, sich etwas mit der Materie zu befassen. Denn die Wenigsten kennen den Unterschied zwischen Blackout und Netzabschaltung. Bei einer Netzabschaltung in Folge einer Strommangellage hat man noch Zeit die Streichhölzer in der beleuchteten Wohnung zu suchen, um die Kerzen anzuzünden. Bei einem Blackout muss man die Streichhölzer im Dunkeln suchen. Aber eben: dunkel wird es in beiden Fällen.


Dienstag, 27. Dezember 2022

Leise rieselt der Schnee – im Tunnel

 


Jedes Jahr das gleiche Gejammere: Wird es weisse Weihnachten geben, oder müssen wir den Christbaum mit saurer Miene im grünen Garten bestaunen? Die Meteorologen liefern sich dazu abendfüllende Sendungen warum jetzt kein Schnee kommt oder in welchen Gegenden doch noch mit Schnee unter dem LED-beleuchteten Tannenbaum im Garten gerechnet werden kann.

Die Wetter-Nachrichten im Fernsehen sind für einigermassen intelligente Menschen eine arge Belastung. Geht es doch in diesen Sendungen nicht um die reine Vermittlung von News, sondern es finden regelrechte Shows statt. Das SRF hat dazu vor Jahren auf dem Dach des Fernsehgebäudes in Zürich ein Wetterstudio eingerichtet, damit auch die Dümmsten merken, dass das Wetter draussen stattfindet. Das kann man auf dem eigenen Balkon billiger haben. Auch das Wetter-Format wetter.tv hat noch eigene Höhepunkte in ihre Nachrichten eingebaut. So moderiert dort eine Frau die Sendung, und soweit man es überblicken kann, hat sie jeden Tag ein anderes Kleid an. Den Kleiderschrank dieser Dame würde man gerne mal sehen. Dieses Beispiel zeigt schön, dass es eigentlich gar nicht um die Wettervorhersagen geht, sondern darum, die Sendeminuten zwischen den Werbeblöcken so zu füllen, dass die Leute dranbleiben.

Damit das Gejammere mit dem Schnee an Weihnachten und die Darbietungen von Kachelmann, Bucheli und anderen Wetter-Clowns ein Ende hat, installiert das ASTRA in allen Autobahn-Tunnels Beschneiungsanlagen. Dazu werden handelsübliche Hochdrucknebelanlagen an der Tunneldecke montiert. Die auch als Brandbekämpfungsanlagen (BBA) bezeichneten Systeme werden weltweit in einigen wenigen Tunnels eingesetzt, um bei einem Ereignis die Temperatur des Feuers reduzieren zu können. In der Schweiz werden diese Löschanlagen bis anhin nirgends eingesetzt. Die BBA funktionieren wie eine Sprinkleranlage, nur, dass der Wasserstrahl viel feiner ist und mit Hochdruck die Wasserrohre verlässt. Für die neuen Beschneiungsanlagen werden die BBA mit einem Swiss-Edition-Schneemodul ergänzt, das die Wassertropfen gefrieren lässt und Schnee versprüht wird.

In der Zeit der Weihnachtsmärkte sperrt man dann alle Tunnels und lässt diese BBA mit Schneemodul auf Hochdruck laufen. Wenn die Weihnachtsstände im Tunnel nun schön mit Schnee zugedeckt sind, kommt Winterstimmung auf. Und ja, die auf der zweiten Spur parkierten Autos der Glühwein trinkenden Besucher werden natürlich auch zünftig eingeschneit. Nach dem Besuch des Marktes kann man dann, leicht angetrunken, sein Auto unter einer 50 cm hohen Schneedecke hervorbuddeln – wenn da nicht eine grossartige Weihnachtsstimmung aufkommt?

Sonntag, 27. November 2022

Zwölf autofreie Sonntage

 

Autofreie Sonntage kennen die unter 50-Jährigen nur vom Hörensagen, oder sie wurden als Säugling in einem Kinderwagen über die leeren Autobahnen gestossen. Im Jahre 1973 ordnete der Bundesrat aufgrund des Treibstoff-Engpasses drei autofreie Sonntage an, weil in Folge des Jom-Kippur-Kriegs die arabischen Staaten ein Ölembargo verhängten. Das behördliche Verbot führte aber nicht zu Massenprotesten – wie heute, sondern artete regelrecht in einem Volksfest aus. Alles was fahren konnte, und keinen Motor hatte, wurde an diesen Sonntagen auf die leeren Strassen geschleppt: Kinderwagen, Trottinette, Velos, Rollschuhe. Vierspurige Autobahnen verkamen zu regelrechten Rummelplätzen.

Im Zuge der Ukraine-Krise kommen nun autofreie Sonntage wieder aufs Tapet. Die Rede ist von ein bis vier autofreien Sonntagen pro Jahr. Zudem führen einzelne Gemeinden, im Rahmen der Kampagne zur Förderung der Mobilitätswende, am 22. September einen autofreien Aktionstag durch. Dabei werden aber nur einzelne Strassenzüge für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Doch das ist alles Mumpitz. Wenn man eine Wirkung erzielen will, müssen es schon mindestens zwölf autofreie Sonntage sein. Aber nicht um die heutige Spassgesellschaft zu bedienen, damit diese wieder Happenings auf den leeren Strassen veranstalten kann, nein schlicht und einfach für den Erhalt der einheimischen Strassenbaustellen. Früher konnte man auf Autobahnen noch mehrere Tage hintereinander kilometerlange Spurreduktionen vom Feinsten durchführen. Früher, also in den 70iger Jahren, konnte man sogar tagsüber ganze Spuren sperren – oder zur Not auch mal die ganze Fahrbahn. Ja, früher, da machte das Bauen auf der Strasse noch Freude. Heute werden die Bauarbeiter von den
Autofahrern mit Schimpfwörtern und PET-Flaschen beschmissen. Heute kann man bestenfalls die Autobahn tief in der Nacht sperren, und selbst das führt noch zu Staus. Das ASTRA unternimmt deshalb immense Anstrengungen, um den Verkehr durch die Baustellen nicht zu beeinträchtigen. So werden Spursperrungen für Bau- und Unterhaltsarbeiten nur noch in der Nacht durchgeführt. In diesem Jahr hat das Amt sogar eine befahrbare Brücke in Betrieb genommen, die es ermöglicht, darunter tagsüber Belagssanierungen durchzuführen. Der Verkehr läuft währenddessen über diese Brücke.

Doch irgendwann ist man mit den Möglichkeiten am Ende und es müssen neue Lösungen her, und eine davon heisst eben: zwölf autofreie Sonntage. An diesen Tagen werden dann tausende von Bauarbeitern die Sanierungsarbeiten auf hunderten von Baustellen in der ganzen Schweiz durchführen, ohne den Verkehr zu stören. Im Fachjargon nennt man das Closter-Baustellen.

Wer nun denkt, wow, das ist ja super, dann fällt der obligate monatliche Sonntagsbesuch bei der Schwiegermutter voll ins Wasser bzw. auf einen autofreien Sonntag, hat sich schwer geschnitten. Denn der Besuch muss wohl oder übel am darauffolgenden Sonntag nachgeholt werden, das gibt einem die Schwiegermutter am Telefon unmissverständlich zu verstehen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Samstag, 5. November 2022

Eisenbahn auf der Autobahn


Eine Würdigung zum 175-jährigen Jubiläum der Eisenbahnen in der Schweiz Als 1847 die erste Eisenbahn von Zürich nach Baden fuhr, war das für die betuchte Gesellschaft eine Erlösung. Denn bis dato mussten die Armen in klapprigen Pferdewagen über schlechte Kiesstrassen fahren. Alle 15 km mussten die Pferde gewechselt werden und die Fahrt dauerte über drei Stunden. Nach Eröffnung der Spanisch-Brötli-Bahn dauerte die Fahrt nur noch 45 Minuten. 

Als sich in den 50iger Jahren das Auto zum Massenverkehrsmittel entwickelte, wurde es auf den Verkehrsachsen zunehmend eng. Die Bahn und die Autos mussten sich ein Trassee teilen. So entstanden Strassenbahnen in mittleren bis grösseren Städten, aber auch auf dem Lande. Sogar auf dem ersten Autobahnabschnitt von Kriens nach Ennethorw querten Eisenbahngleise die Autofahrbahn. Mit dem Autoboom wurden die Bahnen zunehmend zu einem Hindernis, waren nicht mehr wirtschaftlich und verschwanden schlussendlich. So die Bahn im Maggiatal zwischen Ponte Brolla und Bignasco oder die Bahn auf der Strecke Vevey-Montreux-Chillon-Villeneuve. Unter eingefleischten Eisenbahnfans sind die Strassenbauer deshalb die Totengräber von unzähligen sehr romantischen Strassenbahn-Strecken. Als Mitarbeiter eines Strassenbauamtes mit einem eisenbahnaffinen Freundeskreis kriegt man das knallhart zu spüren. So ist man dann rasch persönlich schuld an der Einstellung der BellinzonaMesecco-Bahn, die im Zuge einer neuen Linienführung der Autobahn weichen musste. 

Zum Glück hat die Strasse nicht allen historischen Bahnstrecken den Garaus gemacht, und so können die Eisenbahnfans sich zum 175-jährigen Jubiläum auf unbequemen Holzbänken und mit Russ in den Haaren auf den historischen Bahnstrecken vergnügen. 

Zum Schluss noch einen Glückwunschgruss an die Eisenbahn: 

«Liebe Bahn, wir gratulieren dir ganz herzlich zu deinem ehrwürdigen Geburtstag. Wir hoffen, dass du noch lange lebst und viele Nachkommen hast. Gut, etwas vom Charme und vom Komfort der Gründerjahre, also den der 1. Klasse, könntest du schon noch übernehmen. Mit diesen hochtechnisierten, neumodischen Zügen mögen wir Zugfahrer wohl etwas schneller ankommen – vorausgesetzt allerdings, die Türen sind nicht wieder von Störungen befallen – aber das Reisen in denselben ist wahrlich abenteuerlich im negativen Sinne geworden… wenn es einem nicht von der Neigetechnik schlecht wird, dann spätestens von den stinkenden WC Kläranlagen, deren Gestank in Zug und Bahnhof weder die zusätzlichen Putzequipen noch die Hochdruckreiniger Herr werden …

Donnerstag, 22. September 2022

E-Auto fährt mit Pommes-Frites-Öl


Das Elektroauto ist ökologisch nicht ganz bedenkenlos. Besonders der benötigte elektrische Energiebedarf zum Laden der Batterie ist immens. Zudem gehen alle davon aus, dass dieser mit erneuerbaren Quellen erzeugt wird. In der Schweiz schätzt man den Bedarf für grünen Strom, wenn 100% der Autos elektrisch fahren, auf 20 TWh pro Jahr. Das entspricht etwa einem Drittel des heutigen Gesamtstrombedarfes. Das Naheliegendste wäre, diese Energie mit Hilfe der Sonneneinstrahlung zu erzeugen. Das dies nicht überall selbstverständlich ist, zeigt das Beispiel Australien. Im Land mit einer der höchsten Sonneneinstrahlung, ist Solarenergie ein Fremdwort. Lieber setzt man auf Kohle und Öl, nach dem Motto: was nicht stinkt und raucht, ist nichts wert. So wird heute noch 54% des Stroms mit Kohlekraftwerken erzeugt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ein pensionierter Ingenieur in der australischen Wüste auf die Idee kam, eine Elektroschnellladestation mit Pommes-FritesÖl zu betreiben. Dazu sammelte er das Altöl der zehn Highway Raststätten zwischen Perth und Adelaide ein und treibt damit einen Generator an. In Australien muss man sich natürlich nicht fragen, unter welchen fragwürdigen lufthygienischen Bedingungen dieser Ölgenerator betrieben wird. Das Wort Schadstofffilter kennt der findige Ingenieur John Edwards wohl nicht. Wobei, vielleicht ist die Ökobilanz dieser Schnellladestation in der dünnbesiedelten Nullarbor-Ebene im Süden von Australien trotzdem positiv. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war der 910 Kilometer lange Eyre Highway mit Elektroautos nicht befahrbar, und das alte Fritieröl musste in die weit entfernte Entsorgungsstelle gekarrt werden. Dazu kommt, dass im letzten Jahr bloss fünf Elektroautos diese verlassene Gegend befuhren. Doch schlussendlich wird die Geschichte zeigen, ob solche Initiativen die Menschheit rettet, oder ob ein Song der australischen Rockband AC/DC Wahrheit wird. Auf ihrer Tourneefahrt durch die gleissende Hitze der Nullarbor-Ebene wurden sie nämlich 1979 zum Song „Highway to Hell“ inspiriert. P.S. Bei den Wahlen im Mai 2022 haben die Australier nun gemerkt, dass der energiepolitische Kurs der konservativen Regierung in die Sackgasse führt und haben den bisherigen Premierminister Scott Morrison und seine Regierung in diese Wüste geschickt.

Freitag, 12. August 2022

5 Franken für die Oligarchen

 

„Benzinpreis trübt Osterfreude“, dieser Titel eines Artikels war nicht etwa dieses Jahr in der NZZ zu lesen, sondern er stammt aus dem Jahr 2007. Daran beklagt sich der Autor bitterlich, dass der Benzinpreis um 10 Rappen auf 1.64 Franken gestiegen sei, und sich der Osterurlaub massiv verteuern werde. Angesicht der derzeitigen Preisentwicklung mit Höchstwerten über CHF 2.40 muss man darüber nur lachen. Den Autofahrern ist es aber nicht ums Lachen, nicht wenige steigerten sich sogar zu Wutausbrüchen. In Deutschland ging die Wut so weit, dass ein Korso von 500 Autos gegen die Preiserhöhung protestierte. Dabei gab es mehrere Auffahrunfälle. Doch was soll diese Demo auf deutscher Autobahn, die deutsche Regierung kann nun wirklich nichts dafür, dass die Benzinpreise so rasant angestiegen sind. Nein, dieser Protestkorso hätte auf dem Roten Platz in Moskau stattfinden müssen, denn hinter den dicken Mauern des Kremls sitzt der wahre Übeltäter. Doch wenn man dieses Jahr den Megastau von 25 km vor dem Gotthard beobachtete, kann es mit der Wut nicht so weit her sein. Andernfalls müssten alle, die im Stau standen blöd sein – und das kann ja nicht sein…

Doch wieso die Menschheit so ein verkrampftes Verhältnis zum Benzinpreis hat, lässt sich nur schwerlich erklären. Denn der Benzinpreis ist den direkten Marktkräften ausgesetzt, und die Marktwirtschaft finden doch alle immer super. Dazu kommt, dass bei den Kosten für die Automobilität die Treibstoffkosten nur 16 % ausmachen. Also, wo liegt das Problem? Wahrscheinlich ist es der Ärger, dass vom Benzinpreis viele profitieren. Zuerst sind da die Zölle, mit denen sich die Autofahrer als Milchkühe der Nation fühlen. Dass sie für dieses Geld ein tadelloses Strassennetz bekommen, blenden sie geflissentlich aus. Dabei sind in diesen Zöllen nicht einmal Umweltabgaben enthalten. Die CO2-Abgaben von lächerlichen 1.5 Rappen pro Liter decken die Umwelt- und Gesundheitskosten in keiner Weise ab. Eigentlich müsste sich der Ärger über die hohen Treibstoffpreise auf die letzte Gruppe der Begünstigten fokussieren, den Oligarchen und sonstigen Ölmilliardären. Den das sind die grossen Profiteure der hohen Spritpreise. Was die mit dem Haufen Geld machen, weiss nun die ganze Welt, nachdem unzählige Hochseejachten im Zuge der Sanktionsmassnahmen wegen des Angriffes auf die Ukraine beschlagnahmt wurden. Diese protzigen und bis zu 156 Meter langen Jachten stehen nun für teures Geld in irgendwelchen Marinas. So gesehen, wäre es eigentlich schlauer gewesen, der 12 Rappen CO2-Abgabe bei der seinerzeitigen Abstimmung um das CO2-Gesetz zuzustimmen…

Doch schlussendlich müsste man den Benzinpreis, um die Klimaerwärmung zu stoppen, auf ein anderes Niveau legen. Denn gemäss Studien ist erst ab einem Benzinpreis von 5 Franken eine signifikante Änderung des Fahrverhaltens feststellbar. Dieser hohe Spritpreis hat aber einen kleinen Haken. Durch die gestiegenen Preise wird noch mehr Geld in die Taschen der Oligarchen gespült. Diesen bleibt dann nichts anderes übrig als 312 Meter lange Hochseejachten zu kaufen.

P.S. Wer sich noch intensiver mit den Jachten der Oligarchen befassen will, kann sich gerne bei der entwicklungspolitischen Organisation PublicEye das grosse Schweizer „Quartett der Oligarchen“ bestellen. Wer die längste Jacht hat gewinnt.