Mittwoch, 10. März 2021

Selbstparkende Autos

Endlich darf die Karre selber fahren, wenn auch nur in den Parkplatz hinein und hinaus und das bei dauernder Beobachtung durch den Fahrzeuglenker. Ab 1.1.2021 hat die Schweiz als eines der ersten Länder, das teilautonome Fahren rechtlich zugelassen. Jetzt wird sich zeigen, ob die theoretischen Überlegungen der Entwickler in der Praxis auch etwas taugen. Man kann sich nämlich gut das Gejammere vorstellen, wenn wegen eines Fehlers das zu parkende Auto selbstständig in das Nachbarauto hineinfährt und dessen exklusive und teure Lackierung auf der ganzen Länge beschädigt.

Die Versicherungen werden den Fahrzeughaltern dann eine lange Nase machen, weil dieser Schaden wohl nicht versichert ist. Ein Regress auf den Autohersteller kann man sich auch abschminken, die werden sich durch das Kleingedruckte im Kaufvertrag gut absichern. Doch alle Ausreden der Autohersteller, dass die Parkfelder in Amerika halt breiter und das Wetter besser seien, werden nicht helfen. Den wenn sie diese triviale Funktion des selbstständigen Parkens nicht sauber im Griff haben werden, können sie das vollautomatische Fahren in Zukunft gleich vergessen.

Das erste selbstfahrende Auto wurde im übrigen bereits 1977 entwickelt. Und schon in den 80iger Jahren ist in der Fernsehserie Knight Rider der K.I.T.T von David Hasselhoff selbstständig um die Häuserecke gefahren. Trotz aller Phantasten und Technikgläubigen mussten die Autofahrer aber 44 Jahre warten, bis sie das blöde Steuerrad wenigstens bei einem Fahrmanöver legal loslassen dürfen.

Zu den Euphorikern gehört auch Uber. Der Fahrdienstleister möchte möglichst schnell auf die Fahrer verzichten können, um deren Löhne einzusparen. Darum hat sich Uber für das automatisierte Fahren stark gemacht. Vor vier Jahren rechnete Uber, dass im Jahre 2020 75000 autonome Fahrzeuge betrieben werden können. Doch was aus dem vollmundigen Versprechen geworden ist, ist ja zum Lachen: Eine Fernsteuerung für das Parken von Autos – wie bei einem Modellauto! Nach dem Uber über 900 Millionen Dollar in selbstfahrende Fahrzeuge investiert hat, haben die Aktionäre langsam die Nerven verloren. Uber hat darum im Dezember verkündet seine Sparte für autonomes Fahren abzustossen und an das Roboterwagen-Start-up Aurora zu verkaufen.

Doch schlussendlich fragt sich, ob der riesige Aufwand der vielen Sensoren und der ausgeklügelten Software gerechtfertigt ist. Vielleicht ist der legendäre und viel zitierte Satz aus der TV Krimiserie „Derrick“ (1974 bis 1998) die einfachere Lösung. Nach Abschluss eines Augenscheins bei einem Mordfall sagte der Kommissar (Horst Tappert) jeweils zu seinem Assistenten Harry Klein: «Harry, hol schon mal den Wagen».

Freitag, 29. Januar 2021

Neue Seidenstrasse in der Schweiz

 

Mit grossem Brimborium wurde Ueli Maurer 2019 vom chinesischen Staatschef
empfangen. Alle rieben sich die Augen, wieso das grosse ehemalige östliche Kaiserreich
so ein Tamtam um die kleine Schweiz macht. Bei dieser Ausgangslage kann es sich ja nur
um eine Hinterlist der Chinesischen Machthaber handeln. Um ihrer hoch umstrittenen Belt and Road-Initiative (BRI) einen positiven Anstrich zu geben, machen sie sogar einen
kleinen Kniefall – einfach nur so tief, dass sich Ueli Maurer geschmeichelt fühlt. Es hat
gewirkt, die Schweiz hat das „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet, und damit
einem auf Ausbeutung basierenden und undemokratischen Initiative eine gute Note
gegeben. Die Chinesen haben durch ihre milliardenschweren teilweise unnötigen
Infrastrukturprojekte schon unzählige Länder im Balkan und in Afrika in eine grosse
finanzielle Abhängigkeit getrieben. Diese Strassen, Bahnverbindungen und Häfen sollen
die Verbindung vom Osten in den Westen vereinfachen, die Schulden können dann aber
die armen Staaten bezahlen. Sogar die Italiener haben die Chinesen mit der BRI über den
Tisch gezogen. Einige Mittelmeerhäfen sind nun schon in chinesischen Besitz. Mit dieser
auch als „Neue Seidenstrasse“ bezeichnete Initiative wollen die Chinesen die westliche
Welt mit ihren billigen Schrottprodukten überschwemmen. Dummerweise kommen von
dort mittlerweile auch Produkte von hoher Qualität und sind damit eine grosse Konkurrenz
für die heimischen Produzenten und über die Produktionsmethoden macht man sich
gescheiter keine Gedanken.

Doch was hat nun Ueli Maurer da in China tatsächlich unterschrieben. Das offizielle Papier
ist eigentlich harmlos, aber es gibt noch einen geheimen Annex B. Denn im Schlepptau
von Maurer stampften noch Logistik-Lobbyisten in Peking herum. Die Logistiker kämpfen
in der Schweiz mit vielen Verkehrsproblemen. Mit dem immer weiter ausgedehnten
Lastwagenüberholverbot auf Autobahnen, haben die Chauffeure nämlich langsam die
Nase voll. So müssen sie frühmorgens in Einerkolonne über die Autobahnen schleichen.
Das stinkt ihnen gewaltig. Und dann kommen noch täglich die Staus der Personenwagen
hinzu, die ihnen den Weg versperren. Den Camionneuren ist nun der Kragen geplatzt und
sie wollen ein eigenes unterirdisches Tunnelsystem quer durch die Schweiz bauen. Für
das Projekt „CARGO SOUS TERRAIN“ (CST) mussten sie ein Startkapital von 100 Mio
Franken zusammenkratzen. Da kam ihnen der Annexe B des Memorandum of
Understanding mit China gerade recht. Darin stand nämlich, dass die chinesische Firma
Dagong Global Investment sich mit einem hohen Betrag am CST-Projekt beteiligen darf.
Denn das ehrgeizige Projekt mit einem 67 Kilometer langen Tunnelsystem verschlingt im
optimalen Fall 33 Milliarden Franken.

Der Bundesrat hat kürzlich ein Rahmengesetz für das CST zuhanden des Parlamentes
verabschiedet. Der Bund will sich beim CST finanziell zwar schadlos halten, unterstützt es
aber. Da man in letzter Zeit immer mehr auf Distanz zu den Chinesen geht, war zu
befürchten, dass es ein Projekt mit chinesischer Beteiligung schwer haben wird. Auf
Empfehlung von Simonetta Sommaruga haben sich die CST Verantwortlichen vom
chinesischen Investor getrennt. Damit ist der Annexe B des Memorandum of
Understanding trotz grossem Tamtam zur Makulatur geworden und Ueli Maurer kann das
wertlose Papier aufessen. Ja so können sich die Zeiten ändern.

P.S. Ob das CST je gebaut wird, und wir die Autobahn nicht mehr mit den Lastenwagen
teilen müssen, steht natürlich auf einem anderen Blatt – Annexe C?

Samstag, 12. Dezember 2020

Sitzheizung für Rauchmelder

 

Bei Anbruch der kalten Jahreszeit begann ein heftiger Streit zwischen Gastronomiebetrieben und Stadtregierungen. Damit die virologisch bedingt reduzierten Sitzplätze in den Aussenbereich verlagert werden können, wollten die Gastronomen wieder Heizpilze aufstellen. Dem steht aber das vielerorts vorhandene Verbot im Weg. Jetzt kann natürlich zynisch argumentiert werden, dass wir solche wegen des massiv reduzierten Flugverkehrs und dem damit eingespartem CO2-Ausstoss zugute hätten.
Doch findige Unternehmer haben nun eine Alternative zu Heizpilzen auf den Markt gebracht. Sitzkissen mit eingebauten Elektroheizungen, die von einer Batterie gespiesen werden, sollen ein angenehmes Gefühl in der bitterkalten Gartenbeiz schaffen.

Solche Sitzheizungen kennt man heute schon als beheizte Sitze von Sesselliften, Toilettensitzheizungen und sogar im Fussballstadion des deutschen Zweitligist Greuther Fürth sind die Zuschauersitze geheizt. Auf die Spitze getrieben hat es aber Tesla mit standardmässig eingebauten ferngesteuerten Autoheizungen.

Doch nur wenige werden wissen, dass auch in Strassentunnels unzählige Kleinheizungssysteme eingebaut sind. Diese Heizungen dienen aber nicht dazu, dass sich die elektronischen Geräte wohl fühlen, nein sie brauchen diese Wärmequelle, damit sie zuverlässig funktionieren. So haben die Rauchmelder in der Portalzone der Tunnels eine Art Sitzheizung eingebaut. Ohne sie würde nämlich Nebel, der in den Tunnel strömt, als Rauch detektieren und sofort Alarm ausgelöst. Auch die Notruftelefone haben es sehr gemütlich. Ist doch der orange SOS-Alarmkasten mit einem Heizband ausgerüstet. Die Telefone würden zwar bei Minustemperaturen noch einwandfrei funktionieren, aber die im Schrank entstehende Feuchtigkeit würde die Einrichtungen langfristig zerstören, mit der Heizung verschwindet diese Feuchtigkeit. Bis vor ein paar Jahren hatten auch die elektrisch betriebenen Wechselsignale Heizungen eingebaut, damit Eis und Schnee die drehbaren Prismen nicht blockierten. Neuere Verkehrssignale sind mit einer Rütteltechnik ausgerüstet, die durch Vibration den Schnee und das Eis abschüttelt. Auch die Videokameras brauchen ausserhalb der Tunnels Heizungen, damit man bei Schnee und Eis den Strassenverkehr sieht und nicht an eine Eiswand schaut.

Zurück zu den Gartenrestaurants, fragt sich, ob die Sitzkissen die von der Coronakrise gebeutelte Branche retten kann. Denn es mag ja lustig sein, im Aussenbereich eines Lokales auf dem geheizten Sitzkissen einen Caffé Corretto zu trinken, aber einen 120 Franken teuren Rotwein bei Lufttemperatur von minus 8 Grad zu geniessen, ist eher ein Unsinn.

Montag, 19. Oktober 2020

Zukunftsautos am Stammtisch

Weltweit streiten sich Politik, Wissenschaft, Automobilbranche, Interessengruppen und Bevölkerung über die Mobilität der Zukunft und welches der umweltfreundlichste Autoantrieb nun sei. Dazu hat die Wissenschaft unzählige teilweise widersprüchliche Studien publiziert. Die betroffenen Autos haben nun die Nase voll von diesen unsachlichen Diskussionen und beschliessen die Sache selber an die Hand zunehmen. Darum treffen sich ein Wasserstoff-, ein Elektro-, ein Biogas- und ein Zigarettenauto an einem Stammtisch.

Nachdem bei allen das Getränk serviert wurde, meinte das Wasserstoffauto, dass diese giftigen Batterien wohl nicht die Zukunft seien. Aber du mit deiner Wasserstoffbombe hinter dem Motor bist auch nicht viel besser, entgegnete das Elektroauto. Ja und die hohen Verluste bei der Herstellung von Wasserstoff machen diese Technologie hochgradig unwirtschaftlich. Jetzt halt aber die Luft an bzw. stell den Strom ab, giftete das Wasserstoffauto zurück. Deine mit Kinderarbeit hergestellten Batterien sind auch nicht besser, das Kobalt wird ja unter unwürdigen Bedingungen abgebaut und am Schluss landet der ganze Müll irgendwo in einer Meeresbucht von Afrika. Dafür bin ich aber 100% CO2-neutral entgegnete das Elektroauto. Ja von wegen CO2-neutral! Und wie erzeugst du den Strom mit Kernkraft-, Braunkohle oder Gaskraftwerken – äh! Ja mit Solarenergie natürlich verteidigte sich das Elektroauto. Das ich nicht lache, meinte das Biogasauto: um die weltweite Mobilität mit Elektroenergie zu versorgen, musst du aber brutal viele Photovoltaikanlagen bauen. Da antwortete das Elektroauto zum Biogasauto: Aber dein nachwachsender Rohstoff, der zu Biogas verarbeitet wird, kann auch nicht überzeugen, und wenn du mit Biogas aus Küchenabfällen herumfährst, stinkt es bestialisch in den Himmel.

Ganz unscheinbar sass das Zigarettenauto in der Ecke. Da meinten die anderen zu ihm: ja und was hast dann du zu bieten? Wenn du die hochgiftigen Zigarettenstummel verbrennst, kann ja nichts Gutes herauskommen. Doch meinte dieses. Die Filter der jährlich sechs Billionen Zigaretten werden gesammelt und in einem hochkomparativen Zweiphasen-Reaktor in Antriebsenergie umgewandelt. Von den Ausgangsstoffen wie Arsen, Blei, Kadmium, aromatische Kohlenwasserstoffe, Nikotin sowie Teer bleibt zum Schluss nur komprimierter Kohlenstoff, der in alten Kohleminen abgelagert werden kann. So ein Bullshit schrien die anderen Autos.

Weil die verbalen Argumente langsam versiegten, wurde die Diskussion handgreiflich. Es entstand eine wüste Schlägerei unter den Autos. Sie schlugen mit Autoapotheken, Pannendreiecken, Ersatzrädern und Schneeketten aufeinander ein. Als dies auch nicht zum erhofften Erfolg führte, wurde gröberes Geschütz aufgefahren. So mussten Kindersitze, Kopfstützen, Dachträger, Batterien dran glauben. Durch diese Schlägerei liefen alle Getränke auf dem Tisch aus. Am Boden braute sich ein sehr interessantes Flüssigkeitsgemisch mit Lithium, Kobalt und hochgiftigen Zigarettenstummeln zusammen, angereichert mit etwas Wasserstoff und Biogas in der Luft. Gott sei Dank ist heute in den Restaurants das Rauchen verboten, sonst wäre die ganze Gaststätte in die Luft geflogen.

Nach dieser Schlägerei musste der Pächter sein Restaurant während zwei Wochen renovieren lassen. Er schwor sich in Zukunft nur noch Fussgänger und Fahrradfahrer zu bewirten.

Mittwoch, 9. September 2020

Willkommen im P13


So lautete der Titel einer E-Mail an alle ASTRA Mitarbeiter, die im Juli einen neuen Arbeitsplatz erhalten haben. Mit dieser Kolumne meldet sich nun das ASTRA aus seinem neuen Bürogebäude in Ittigen. Wobei, ob die Gebäudebezeichnung ein gutes Omen ist, lässt sich schwerlich abschätzen. Besonders, da in Coronazeiten die Verschwörungstheoretiker starken Auftrieb gewonnen haben und alles Abergläubische hoch im Kurs ist. Das Gebäude trägt nämlich den mysteriösen Namen P13. Dabei handelt es sich nicht um das Hauptquartier einer neuen Geheimorganisation alla P26, also quasi um eine halbe Geheimarme. Nein, die Bezeichnung ist schlicht die Abkürzung von Pulverstrasse Nummer 13, aber damit ist sie nicht weniger problematisch. Einerseits könnte man denken, dass jetzt die Benzinzölle explodieren oder das ASTRA in nächster Zeit eine Bombe platzen lässt. Zur Beruhigung kann gesagt werden, dass an diesem Standort bis 1859 Pulver gemahlen wurde, darum ist im Gemeindewappen von Ittigen auch eine Wurfbombe abgebildet. Trotzdem hat das ASTRA eine Beziehung zu dem gefährlichen Stoff. Werden doch beim Tunnelausbruch Sprengstoffe eingesetzt, zwar nicht mehr Schwarzpulver wie im 19. Jahrhundert, sondern ein Gemisch aus Ammoniumnitrat und Heizoel. Zurzeit sind die Sprengmeister beim Tunnel Riedberg auf der N9 und beim Sicherheitsstollen des Tunnels Rofla auf der N13 für das ASTRA an der Arbeit.

Für viele ist die 13 eine Unglückszahl, man hätte darum vorsichtigerweise die Hausnummer 13 einfach auslassen sollen, wie man das bei Sitzreihen in Flugzeugen, Hotelzimmern oder Etagen in Hotels macht. Dass die 13 bei den Nationalstrassen kein Glück brachte, zeigen die vielen Unfälle auf dem bis 2002 zweispurigen Abschnitt der N13 im Rheintal, die Katastrophe im Tunnel Viamala und kürzlich der dramatische Busbrand im Tunnel San Bernardino. Anders herum kann aber die Zahl durchaus Glück bedeuten zu mindestens denjenigen Autobesitzern, die für exorbitante Summen ein Nummernschild wie z.b. ZG 1313, GL13 oder ZH 131 313 ergattern konnten. Mindestens hat bei dieser Übung auch der Staat etwas profitiert.

Im Übrigen, der nächste Freitag der 13. fällt dieses Jahr auf den Monat November und das nur zwei Wochen nach Halloween.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Der Stau ist zurück

„Gut halten sich alle im Strassenverkehr wieder an die Corona-Vorgaben, nämlich 2 Meter Abstand.“

Aufrufe für Carpooling, Carsharing und Umsteigen auf andere Verkehrsträger konnten in den letzten Jahren die Staus nicht reduzieren. Auch die Diskussionen über Einführung von Carpool-Lane und Mobility-Pricing haben die Staus nicht zum Verschwinden gebracht. Doch ein kleines Virus schaffte das in wenigen Tagen. Die leeren Autobahnen haben dann flugs irgendwelche Schlauberger als Einladung für Autorennen verstanden. Doch bei ihren Spasstouren mussten viele mit dem Arm des Gesetzes unliebsame Bekanntschaft machen. Die Autobahn ist eben keine Rennbahn, sondern eher eine Stau-Bahn. Die Staus sind in den Medien allgegenwärtig.

Auch Kulturschaffende haben sich dem Thema schon angenommen, so hat die Theaterkompanie „Karl’s kühne Gassenschau“ 1998 ihre Freilichtproduktion zwischen stehenden Autos dem Thema Stau gewidmet. Aber eigentlich sind die Klagen über die Staus in der Schweiz ein Jammern auf hohem Niveau. Mit den 26’000 Staustunden pro Jahr rangiert die Schweiz weltweit irgendwo auf Platz 193. Richtig satte Probleme haben viele asiatische Länder – so richtig schöne 16spurige Staus. So überlegt Indonesien ihre Hauptstadt Jakarta nach Borneo zu verlegen. Die Regierung lässt sich trotz schlechten Erfahrungen, welche Malaysia mit der Verlegung des Verwaltungszentrums nach Putrajaya gemacht hat, von ihren Plänen nicht abbringen. Das neue Zentrum ist zu einer Geisterstadt verkommen, und die Staus in der alten Hauptstadt sind nicht verschwunden.

Der Kampf gegen den Stau bringt weltweit unzählige Fantasten auf den Plan. So plant Elon Musk zwischen Los Angeles und Chicago ein Tunnelsystem Loop, in dem Personenwagen mit 240 km/h mithilfe von geführten Stützrädern fahren können, oder das Hyperloop One Projekt durch die Ostsee zwischen Stockholm und Helsinki.

Interessant in diesem Zusammenhang ist das Ergebnis von Internet-Suchmaschinen. Gibt man nämlich „Skurrile Ideen gegen den Stau auf Strassen“ ein, erhält man an der zweiten und dritten Stelle des Resultates einen Link zur ASTRA-Homepage. Hinter dem Link findet man eine Liste mit Massnahmen gegen den Stau. Darunter fallen Pannenstreifenumnutzungen, Lastwagenüberholverbote oder temporäre Reduktionen der Höchstgeschwindigkeit, alles insgesamt seriöse Vorschläge. Das ASTRA müsste sich ob dem Resultat der Suchmaschine eine Klage ernsthaft überlegen. Wobei, liest man das Strategiepapier des ASTRA genau, stösst man auf durchaus lustige Ideen. Unter einem Traffic Manager kann man sich die verrücktesten Dinge vorstellen. Oder das Tempo auf 60 km/h zu reduzieren und Ein- und Ausfahrten in Spitzenzeit sperren. Beim Vorschlag „Schnelles Räumen von Unfallstellen“ ist nicht klar, ob damit der Einsatz von Räumungspanzern der Schweizer Arme gedacht ist.

Wie sagte schon Paracelsus: «Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist. » So ist es eben auch mit dem Verkehr.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Autobahnvignette fürs Velo

Seit Jahren beklagen sich die Wanderer, dass ihnen die Mountainbiker „ihre“ Wege versperren und sie beim vorbei flitzen in Angst und Schrecken versetzen. Im Gegenzug ärgern sich die Velofahrer, dass die Wanderer immer die ganze Breite des Weges in Anspruch nehmen und keinen Platz machen. Das gleiche Bild zeigt sich in den Agglomerationen, nur kommen dort noch die E-Bikes, Inlineskater, E-Scooter und Kinderwagen dazu. Auf besonders attraktiven Wegen mussten die Gemeinden mit Markierungen und Verboten die verschiedenen „Verkehrsträger“ voneinander trennen. Denn die Polizei musste schon mehrmals ausrücken, um handgreifliche Streitereien unter den Freizeitaktivisten zu schlichten. In den Städten ist es noch schlimmer, dort streiten sich die Velopendler, die Freizeitvelofahrer, die E-Cargobikes und die Velokuriere mit den übrigen Verkehrsteilnehmern um den knappen Strassenraum.

Doch das ist alles gar nichts gegen die jetzige ausserordentliche Lage. Weil alle Freizeiteinrichtungen geschlossen sind, hat jeder, der zuhinterst in der Ecke des verstaubten Kellers noch ein Velo gefunden hat, dieses fahrtüchtig gemacht. Das Resultat von dieser Revitalisierungsübung ist ein noch grösseres Chaos auf den Fuss- und Velowegen. Um diese Situation zu entschärfen, hat der Bundesrat gestützt auf den im September 2019 angenommen Velo-Verfassungsartikel mit einer Notverordnung die Benutzung des Pannenstreifens auf den Autobahnen für den Veloverkehr freigegeben. Es gilt jedoch eine Mindestgeschwindigkeit von 35 km/h für Velo ohne Hilfsantrieb und 50 km/h für E-Bikes. Und ja, man braucht natürlich eine Autobahnvignette.

P.S Die neue Regelung kommt für einen Velorennfahrer, der im September 2018 das Gefühl hatte, dass die Autobahnen auch für Velos offen stünden, etwas zu spät. Unbeirrt fuhr er durch den drei Kilometer langen Gubristtunnel und verursachte ein regelrechtes Verkehrschaos. Als er von der Polizei angehalten wurde, meinte er zu seiner Verteidigung, dass ihn das Navigationsgerät über die Autobahn gelotst habe.
https://www.blick.ch/news/schweiz/mittelland/ueberwachungskamera-haelt-szene-auf-a1-fest-navi-fuehrt-velofahrer-in-den-gubrist-tunnel-id15420785.html